Wehret den Anfängen
Der junge AdolfDer junge, frustrierte Mann in Wien ruft aus, flucht und schimpft; vor allem gegen die Juden. Spätpubertierende Eskapaden, könnte man meinen. Wäre da nicht der Name des Jünglings: Adolf Hitler. Zu sehen war der Anfang seiner «Karriere» an den Solothurner Filmtagen, in Urs Odermatts «Mein Kampf», nach einem Theaterstück von George Tabori.Man kann den Schreihals nicht ernst nehmen, würde man meinen. Etwa wenn er sich vornimmt, die Russen, die Engländer und überhaupt alle Völker ausser seinem eigenen an den Rand der Erde zu drängen und dort abstürzen zu lassen. Der Jude Schlomo Herzl, der sich väterlich-mütterlich des Jungen annimmt, verspottet ihn: «Mein lieber Adolf, es gibt kein Ende der Erde. Diese ist rund.» Worauf Hitler verspricht: «Dies werden wir ändern.»Szenenwechsel: Erstmals war ich 1973 an den Solothurner Filmtagen. Mein Mitbruder Bruno Fäh hatte damals seinen zwar nur zweiminütigen, doch viel beachteten Kurzfilm «Escalation» im Programm. Er zeigt symbolisch einen harmlosen Streit, der ausartet und ohne Sieger endet.Zurück zum jungen Adolf: Er schliesst sich einer winzigen Gruppe von antisemitischen Männern an, die in ihrer Freizeit Ratten erschiessen. Dank ihrem neuen Mitglied, der sich bald zum Chef aufspielt, wählen sie Juden als Zielscheibe aus. Am Ende des Filmes marschiert Hitler mit einer Schar Getreuen nach Deutschland, «um dort Ordnung zu schaffen». Warum hat niemand sie aufgehalten, bevor der Spuk eskalierte?
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