Was Regie leisten sollte
Melde mich mit «Kleinstbrötchen» wieder zurück. Bin in den letzten neun Tagen zunächst einem elend langfädigen und auch langweiligen Roman von Henning Mankell mit dem Titel «Tiefe» begegnet. Anders als in den Wallander-Krimis klebten mir Geist und Sinn am zähflüssigen und höchst unglaubwürdig konstruierten Plot. Dann las ich – und das machte viel mehr Freude – Friedrich Glausers «Wachtmeister Studer» vor. Zwar wiederholt sich Glauser einige wenige Male unnötig, aber die faszinierend detaillierte Beschreibung von Personen und Orten nebst seiner spürbaren Sympathie für solche, die ähnlich zu kurz Gekommene des Lebens sind wie er, schaffen Ästhetik und Betroffenheit. Und zum Schluss schon wieder im Arbeitsalltag in Zürich Grischa Asagaroffs Inszenierung des Verismo-Doppelpacks «Cavalleria/Pagliacci» mit einem José Cura in Höchstform. Und wieder einmal mein Stöhnen: Warum lässt man(n) eigentlich nicht ausschliesslich solche Regisseure wirken, die nicht zerstören, sondern vertiefen, die nicht gegen die Musik, sondern mit ihr arbeiten, die Welten schaffen, auf die sich der/die Hörer/in und Seher/in voll und ganz einlassen kann? Wenn ich an die Scheusslichkeiten denke, die etwa Herr Kusej verbrochen hat (Salome, Elektra, Zauberflöte) und weiter zu verbrechen bereit ist, nochmals die Frage: Wer stellt denn solche Leute an und warum? Es ist und bleibt a) hässlich, b) unrentabel und darum c) sinnlos.
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