Was man in Quebec lernen kann
Zwei Wochen in der Region der Laurentides, eine knappe Autostunde nördlich von Montreal. Schon die Namen der Ortschaften entlang der alten Eisenbahnstrecke des «petit train du nord» erzählen auch von der kulturell-religiösen Geschichte dieser Region: St-Jerome, St-Sauveur, Ste-Adèle, Ste-Agathe-des-monts, St-Jovite, Conception, Labelle. Die katholische Welt und Kultur prägt diese Region; obwohl weit im Norden gelegen, fühlte ich mich immer wieder (auch auf der Autobahn, auch im Einkaufszentrum, auch im Restaurant, aber gerade in den Kirchen, beim Betrachten der gewaltigen Pfarrhäuser und der vielen konfessionellen Einrichtungen) irgendwo im mittleren sympathischen Chaos zwischen Firenze und Roma. Die Besiedelung des Landes (verbunden mit der Vertreibung der indianischen Urbevölkerung …) ging einher mit dem Errichten von vielen einfachen Missionsstationen, aus denen die heutigen erwähnten Ortschaften wurden. Noch heute hängen in den einzelnen Gemeinden kindlich gemalte Grossleinwandbilder, die von der lebendigen Durchmischung der Kultur der Besiedlung und der katholischen Welt berichten. Ich ging durch dieses Land, fuhr durch dieses Land und fühlte wieder einmal, dass wir jeder fremden Kultur mit Respekt begegnen müssen. Der Stolz der Menschen auf ihre Geschichte und ihre Heimat ist welt-überall gross und berechtigt, wenn auch immer noch einige Schweizer meinen, sie hätten Grund zu mehr Stolz als andere. Au revoir, du sympathisches und grünes Land der vielen Seen und Wälder, du Land der Bären, Wölfe und Luchse, denen niemand das Recht zum Leben abstreitet, du Land, in dem es möglich ist, dass ein kleines Eichhorn locker dem mürrischen Golfer den in den Wald geknallten Ball wegschnappt und im Gestrüpp entschwindet. Allen zum Besuch empfohlen, die das Francophone lieben, allen, die die Stille lieben, allen, die mal nicht in einer Synthi-Welt, sondern in der Natur pur austreten wollen.
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