Walter Ludin

Was läuft im Kapuzinerkloster Wesemlin, Luzern (Oase-W)?

Seit einigen Jahren bin ich unter den Rezensenten der Zeitschrift «Reformierte Presse». Nun wurde ich angefragt, ob ich auch acht Mal im Jahr einen Beitrag für die Rubrik «Tagebuch» verfassen könne. Trotz Arbeitsüberlastung sagte ich zu, vor allem auch der Ökumene zuliebe, die es ja im Augenblick schwer hat ….
Morgens um 6.45: Ohrenbetäubender Lärm von Presslufthämmern, -Bohrern und Sägen zerreisst die klösterliche Stille auf dem Wesemlin in Luzern. Und dies nicht nur heute, sondern alle Werktage seit anderthalb Jahren! Es könnte nerven. Doch wir Kapuziner wissen: Für den Baulärm werden wir durch ein zukunftsweisendes Projekt entschädigt.
Doch zuerst ein Blick zurück in die ferne Vergangenheit. Unsere Geschichte begann hier 1583, dank der Reformation! Unser damals neuer franziskanischer Reform-Orden wurde aus Italien in die Schweiz importiert, um «den neuen Glauben» aufzuhalten.
Auf dem Hügel oberhalb von Luzern, der «kleinen Wiese», dem Wesemlin, ist seither vieles geschehen. Wie wir gleich sehen werden, ist die Zeit der «Gegen-Reformation» endgültig vorbei. Und Brüder kamen und gingen im Verlaufe der Jahrhunderte. Mal waren es sehr viele, dann wieder recht wenige. Als ich 1966 hier im klösterlichen Einführungsjahr, dem Noviziat war, gab es fast 60 Mitbrüder. Ihre Zahl nahm immer mehr ab. Wegen Personalmangel (wenig Neueintritte!) werden in zehn, fünfzehn Jahren im riesengrossen Haus vielleicht noch acht oder neun Brüder leben.
Es wäre ebenso unverantwortlich wie unwirtschaftlich, ein solches Gebäude in schönster Lage fast leer zu lassen. Darum fällten wir den Entscheid, der nicht nur Baulärm verursacht, sondern uns und manchen Menschen auch Lebensqualität mit sich bringt. Einer der beiden Flügel des Klosters wird einem neuen Zweck zugeführt. Neben einer ärztlichen Gemeinschaftspraxis entstehen dort zurzeit zehn Wohnstudios für «klosternahes Wohnen». Sie stehen suchenden Menschen offen, die an unserem Leben teilnehmen wollen, ohne ihre Eigenständigkeit zu verlieren.
Ein wichtiges Kriterium: Die Bewohner  und Bewohnerinnen (!) «müssen christlich sozialisiert sein». Ja, es steht im kürzlich erarbeiteten Konzept «christlich» und nicht «katholisch». Was habe ich geschrieben: Die Zeit der Gegenreformation gehört der Geschichte an. Wir sind darüber froh und auch ein bisschen stolz.
Die «Reformierte Presse» richtet sich hauptsächlich an Menschen, die in der Kirche aktiv sind, sei es als Berufsleute, Behördenmitglieder oder Freiwillige.

19. Dezember 2014 | 01:24
von Walter Ludin
Lesezeit : ca. 1  Min.
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