Was kommt nach dem Vatikanregime?
Perspektiven einer erneuerten KircheHier ein letzter Abschnitt aus Kohlmaiers Aufsatz über das «Vatikanregime»:Gegenüber Verschwörungstheorien ist immer Vorsicht geboten, aber beim kritischen Beobachter drängt sich der Eindruck auf, dass bestimmte Gruppierungen (Stichwort Opus dei) am Werk sind, die konsequent das Ziel einer auf elitären Konservativismus reduzierten Kirche verfolgen. Das papstzentrierte Kirchenrecht ermöglicht es diesen Kräften, ungehemmt zu agieren. Gerade sie sind aber nicht von Gott eingesetzt, sondern von sich selbst und ihrem Machtwahn. Ist Benedikt nicht längst in ihrer Geiselhaft?Der Kirche droht als Folge all dessen, von einem abstrus gewordenen Regime und mit ihm in den Abgrund des historischen Untergangs gerissen zu werden. Das Zusammenbrechen eines wie beschriebenen Systems rücksichtsloser Machtausübung ist mit Sicherheit zu erwarten. Es ist ebenso ineffizient wie unmenschlich. Es darf daher keinesfalls unterlassen werden, die Zukunft der Kirche für die Zeit danach zu planen.Was vom tradierten Christentum kann überleben und wie soll das möglich sein? Die Wege zeichnen sich allmählich und immer deutlicher ab. Es muss Glaubenssubstanz gebildet werden, die von jenem Klerikalismus befreit ist, der sich unerträgliche Herrschaft anmaßt. Übersehen wir es keinesfalls: Was Jesus die Menschen lehrte ist nach wie vor in ihrem Bewusstsein vorhanden, es lebt und wirkt auch in unserer Zeit vielfach und segensreich. Entscheidend wird sein, ob es die erforderliche Kraft entwickeln kann, die dem Glauben ein Fortbestehen auch außerhalb jener privaten religiösen Sphären sichert, in die sich heute sehr Viele zurückziehen.Ja, es geht jetzt sehr wohl für jene, die nicht dorthin seelisch emigrieren wollen, um «Ungehorsam»! Dem verderbten Vatikanregime die Gefolgschaft zu versagen, ist aber nur der erste Schritt zum Überleben der Kirche. Die Geschichte lehrt, dass stürzende Systeme durch andere ersetzt werden. Die Gefahr, dass dabei erst recht Fehlentwicklungen eintreten, ist ebenso vielfach historisch erwiesen und in unserer Gegenwart wiederum sichtbar. Sie kann nur abgewendet werden, wenn es den breiten Konsens eines durchdachten «Weitermachens dennoch!» gibt. Keineswegs auf den bisherigen Wegen, auch nicht dem einer so genannten «Neuevangelisierung». Es sei denn, man verstehe diese als Besinnung auf und Rückkehr zu Jesus. Aber das ist es nicht, was uns die Hierarchie unter diesem Titel einzureden versucht, denn sie will nur wieder ein Mehr vom Bisher.————————————————————————————————-Schon nach dem Fall der Berliner Mauer gehörte ich zu denen, die hofften, auch die vatikanischen «Mauern» würden in absehbarer Zeit fallen. Ich hatte zu viel gehofft. Doch: Bei jedem reaktionären Dokument und Statement aus dem Vatikan denke ich an die Angstriebe der Pflanzen. Wenn z.B. die Tannen merken, dass ihre Tage zu Ende gehen, produzieren sie wie wild Tannenzapfen …
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