Walter Ludin

Was ist eine (Homo)Ehe?

Unter den Reizwörtern, die umgehen, befindet sich – z.B. neben «Kopftuch» – auch das Wort Homo-Ehe. Ich habe auch schon dafür plädiert, statt von «Ehe» zu sprechen, ein anderes Wort zu kreieren. Was aber noch niemandem gelungen ist. Doch: In der «Homo-Ehe» finden sich die wesentlichen Elemente von dem, was wir als Ehe bezeichnen. Dazu der Münchner emeritierten Moraltheologen Konrad Hilpert in einem Interview:
Befürworter der «Homo-Ehe» sagen, Lesben und Schwulen nähmen niemandem etwas weg. Steht aber nicht die Identität der christlichen Ehe auf dem Spiel?
Hilpert: Es geht meines Erachtens nicht so sehr um die Identität der christlichen Ehe, als darum, was überhaupt Ehe ist. Dazu gehören sicher wechselseitige Zuneigung und die Bereitschaft jedes Partners, den anderen zu unterstützen, nicht nur in den Phasen des Glücksempfindens, sondern auch in Krisen und Zeiten gesteigerter Belastung; und schliesslich der Wille, die Beziehung durch einen Akt des Versprechens auf Zukunft zu stellen und vom Wechsel augenblicklicher Gefühlslagen unabhängig zu machen. All das wird man gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften nicht pauschal absprechen können. Das ist wohl auch der Grund für die öffentliche Sympathie.
Aber der Begriff Ehe birgt mehr…
Hilpert: Ja. Es handelt sich um eine Verbindung, die Kinder hervorbringen kann. Diese Möglichkeit zur Gründung einer Familie mit gemeinsamen Kindern ist wohl auch der tiefere Grund, weshalb der Lebensgemeinschaft von Mann und Frau besonderer Schutz durch das Recht zuerkannt wird. Die Hervorbringung gemeinsamer Kinder ist aber bei schwulen und lesbischen Partnerschaften ausgeschlossen, und zwar prinzipiell.
So weit so gut. Doch was ist mit einer ehelichen Verbindung von –sagen wir 50jährigen? Auch das fällt gewöhnlich der Aspekt der Kinder weg. Dennoch fällt es niemandem ein, hier nicht mehr von Ehe zu sprechen.

2. Juni 2016 | 01:04
von Walter Ludin
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