Was hilft gegen Resignation und Hoffnungslosigkeit?
Weltweit ist die über 2700 Jahre alte Verheissung vom Geist Gottes immer noch aktuell – vor allem im Hinblick auf Elend und Terror? Aus meiner Predigt zum 2. Advent.
In der heutigen Lesung aus dem Buch Jesaja ist die Rede vom «Geist Gottes, dem Geist der Weisheit und der Einsicht, des Rates und der Stärke, dem Geist der Erkenntnis und der Gottesfurcht». Diese Verheissung war ein Trost für das Volk Israel. Der Text beginnt mit den Worten: «Es wächst aus dem Baumstumpf Isajas ein Reis hervor, ein junger Trieb aus seinen Wurzeln bringt Frucht.»
Wir können diese Worte nur verstehen, wenn wir ihren geschichtlichen Hintergrund kennen. Mit dem «Baumstumpf» ist Israel gemeint. Das Volk Israel war damals besiegt. Seine Träume waren zerstört. Nichts mehr blieb übrig von seiner einstigen Grösse. Überall Elend, Hoffnungslosigkeit.
Wenn die Verantwortlichen für die Auswahl der Lesungen im Gottesdienst diesen Jesaja-Text vorschlagen, wollen sie uns nicht mehr oder weniger interessanten Geschichtsunterricht erteilen. Denn die biblischen Verheissungen betreffen auch uns. Und es ist offensichtlich: Unsere heutige Situation gleicht der Situation von damals, der Zeit vor mehr als 2700 Jahren. Unser Volk ist zwar nicht am Boden zerstört. Aber wir leben mitten in einer Welt, die weitgehend von Hunger und Elend, von Krieg und Terror geprägt ist.
Vieles ging kaputt. Denken wir nur an die millionenfachen Zerstörungen in Syrien, in Afghanistan, im Jemen und vielen andern Orten. Das Bild vom umgehauenen Baum ist da zutreffend.
Aber eben: Von diesem Baum blieb immerhin noch ein Stumpf, ein Strunk übrig. Daraus kann neues Leben wachsen, so wie ich es vor etlichen Jahren in Norditalien gesehen habe. In einem ausserordentlich harten Winter waren viele Olivenbäume erfroren. Doch schon im Frühling wuchsen an den Stämmen neue Schösslinge.
Dieses Bild ist ein Heilmittel gegen Verzweiflung und Resignation. Ein Theologe meinte, die grösste Sünde unserer Zeit sei die Hoffnungslosigkeit. Diese drückt sich in der Haltung aus: «Es ist halt so. Da kann man nichts, gar nichts dagegen machen.»
Diese Haltung führt die Welt an den Rand des Abgrundes. Wir überlassen dann unsere Erde jenen, die Böses mit ihr vorhaben, die Zerstörung und Unheil schaffen. Wenn wir hingegen die Verheissungen Gottes ernstnehmen, wachsen in uns Vertrauen und Hoffnung:
- das Vertrauen, dass Gott die Welt nicht ihrem Schicksal überlässt; auch wenn wir nicht erwarten dürfen, dass er immer sogleich die Fehler der Menschen ausmerzt. Konkret: Wenn immer mehr Waffen in Kriegsgebiete geliefert werden, weil damit viele ein höchst einträgliches Geschäft machen, dürfen wir dann erwarten, dass Gott mit einem Zaubertrick dieses Kriegsmaterial zum Verschwinden bringt?
- Durch die Verheissungen Gottes wächst die Hoffnung in unsere eigenen Kräfte. Um nur zwei Stichworte aus der eingangs zitierten Aufzählung der Geistesgaben aufzunehmen:
- Die Gabe der Weisheit zeigt uns die richtigen Wege, an einer besseren, gerechteren, friedlicheren Welt mitzubauen.
- Die Gabe der Stärke schenkt uns den langen Atem, den wir dazu brauchen. Denn: Wie ich es einmal in einem Aphorismus, einem Sinnspruch ausgedrückt habe: «Wer die Welt verändern will, darf nicht erstaunt sein, wenn er morgen damit noch nicht fertig ist.»
Kommen wir zum Schluss: Als Mitglied des franziskanischen Ordens der Kapuziner darf ich unsern Ordensvater Franz von Assisi zitieren. Gegen Ende seines Lebens richtete er an seine Brüder die Worte: «Bisher haben wir wenig getan. Brüder, lasst uns anfangen.»
Ja, liebe Gläubige, lasst uns anfangen – oder es weiterhin tun – ; lasst uns in der Weisheit und der Kraft des Geistes Gottes dort, wo wir leben, etwas unternehmen, dass es mehr Friede, mehr Barmherzigkeit, mehr Liebe gibt.
Grosswangen LU, Sa 17 Uhr, So 9.15 Uhr
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