Warum vergeht die Zeit so rasch?
Sorry, bis heute Abend war hier ein Nonsens-Beitrag, «dank» irgendwelcher Fehlmanipulation von mir in einer schwachen Stunde. Hier endlich der richtige Beitrag, erschienen als Tagebuch in der reformierten Presse.
Die Zeit rast. Gerade haben Neujahr gefeiert und schon ist ein halber Monat vorbei, ein Vierundzwanzigstel von 2015. Das Vergehen der Zeit wird oft in Relation gesetzt mit dem Alter. Je älter ein Mensch ist, umso schneller vergehe für ihn die Zeit. Gescheite Leute haben dafür sogar eine Formel entwickelt: Mit doppeltem Alter verdopple sich die subjektiv empfundene Geschwindigkeit der Zeit. Für einen 20-Jährigen beispielsweise vergehe sie doppelt so schnell wie für einen 10-Jährigen.
Ich habe an die These geglaubt, bis kurz vor Weihnachten. Damals kam ich ins Gespräch mit der zwanzigjährigen Silvia. Sie beklagte sich mit den genau gleichen Worten über das Rasen der Zeit wie ich als fast 70-Jähriger.
Wie auch immer: Es lohnt sich zu überlegen, wer die Zeitfresser sein könnten. In erster Linie ist es wohl die Arbeit. Einer meiner Kollegen hatte an seiner Bürotüre den Spruch: «Die meiste Zeit wird mit Arbeit verplempert.» Ob verplempert oder nicht: Fakt ist, dass die Zeit umso rascher vergeht, je mehr wir zu tun haben.
Vielleicht liegt hier so etwas wie ein Zeitstopper. Denn: Zu viel Arbeit führt dazu, dass wir zu wenig Zeit haben. Deshalb lohnt es sich, uns gelegentlich zu fragen, ob wir tatsächlich so viel leisten müssen. Könnten wir unsere Tätigkeiten nicht reduzieren, ohne als faul zu gelten?
Muss ich immer 150 Prozent arbeiten? Es ist doch absurd: Einige schuften sich fast zu Tode, während andere sich beinahe zu Tod langweilen, weil sie keine Arbeit haben. Oder ich denke an den Einsatz als Freiwillige. Ein persönliches Beispiel : Nach fast 15 Jahren als Vorstandsmitglied in einem Verein habe ich meinen Rücktritt erklärt, zusammen mit zwei andern «Alteingesessenen». Und siehe da: Die jungen Kollegen haben sich gefreut, dass sie jetzt endlich ihre Ideen verwirklichen konnten, ohne dass wir Alten ihnen im Wege standen.
Wir sehen: Wir könnten andere glücklich machen, wenn wir weniger fleissig wären. Dann wären auch wir glücklicher, weil wir mehr Zeit hätten.
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