Walter Ludin

Warum Kurt Marti gern Christ ist

«Christ bin ich geblieben, weil ich in der Kirche die heftigsten Konflikte mit anderen Menschen erlebt habe, was einerseits Beziehungsabbrüche und Feindschaften, andererseits Freundschaften mit Menschen zur Folge hatte, mit denen ich Pferde stehlen, Kirchenbonzen stürzen  und andern heiligen oder unheiligen Schabernack treiben kann.»
So schreibt der reformierte Berner Pfarrer und Schriftsteller Kurt Marti in einem seiner Bücher. Es lohnt sich, seine originellen Gedanken zu bedenken …
«Christ bin ich – um in meiner Aufzählung einzuhalten – durch andere, dank anderen. Ich weiss nicht, ob ich als Eremit oder allein auf einer Insel Christ sein könnte. Mein Christsein ist dadurch bestimmt, dass es eine Gemeinde Christi gibt, die freilich nicht einfach identisch ist mit kirchlichen Institutionen. Gemeinde Christi, das sind für mich lebendige Menschen und Gruppen im oben erwähnten Sinn.
Unter diesen Menschen, in Gruppen engagierter Christen also, erlebe ich, was Solidarität ist, was es bedeutet, bejaht zu sein und andere bejahen, für sie einstehen zu dürfen. Ich, der Furchtsame, lernte es, Furcht abzulegen, frei zu werden vor0020anderen und für andere, lernte es auch, weltweit oder kirchlich Mächtigen, weltlichen oder kirchlichen Mehrheiten entgegenzutreten. Ich lernte das, weil ich mich getragen und gestützt weiss von jener kleinen Schar unerschrockener, ja fröhlich frecher und heilig respektloser Christen und Christinnen, die für mich Gemeinde Christi sind und unter denen der johanneische Satz aufleuchtet, einleuchtet: «Gott ist Liebe.» (1 Johannes 4,8.16) Für mich der Kron- und Zentralsatz der neutestamentlichen Botschaft, der sich in Begegnungen, Aktionen, Konflikten, in Lust und Zorn, in Verzweiflung und Zärtlichkeit, in Niederlagen und Festen, in Enttäuschung und Hoffnung, in erbitterten Fehden und stillen Gottesdiensten immer reicher entfaltet!»
Kurt Marti

19. September 2013 | 01:19
von Walter Ludin
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