Warum können die das – die Obwaldner?
Mit dem Visionsgedenkspiel «Vo innä uisä» hat am 19. August ein weiteres Kernprojekt zu «600 Jahre Niklaus von Flüe» Premiere gefeiert. Es kann an dieser Stelle nicht darum gehen, eine weitere, höchst berechtigte Lobeshymne auf diese unvergessliche Inszenierung anzustimmen, sondern ich will einen Aspekt hervorheben, der in diesem an Höhepunkt reichen Gedenkjahr kaum je erwähnt wird.
Niemand vertraut ihnen mehr denn er selbst
Die Obwaldnerinnen und Obwaldner beweisen nämlich ein ums andere Mal, wie einer religiösen Figur, selbst einer so sperrigen und komplexen Figur wie Niklaus von Flüe im 21. Jahrhundert würdig und spannend gedacht werden kann. Bereits das hier schon mehrmals erwähnte Projekt «Niklaus von Flüe mobil» ist an Radikalität kaum zu übertreffen.
Und nun setzen sie mitten in die Landschaft ein grandioses Gesamtkunstwerk, zu dem 600 Personen (!) beitragen. Da gibt es nichts Verkrampftes, nichts Bemühtes, nichts Künstliches, nichts als eine authentische, intensive und radikale (radikal kommt von radix, der Wurzel) Auseinandersetzung mit ihrem Landesheiligen, mit ihrem Bruder Klaus. Die gesamte Inszenierung legt Zeugnis ab von einem Gemeinwesen, das souverän ist im Umgang mit modernen Formen des Ausdrucks und dem es nicht am (Selbst-)Vertrauen mangelt, auf die Strahlkraft des Einfachen zu vertrauen. In einer Zeit, welche wir gemeinhin als Zeit der Identitätskrise und des Mangels an Zuversicht erleben, ist dies alles andere als selbstverständlich.
Während die Schweiz als Gemeinwesen keine nationale Schau (mehr) zustande bringt, beweist Obwalden auch mit dem Visionsgedenkspiel eine eigentlich nicht mehr existierende innere Verbundenheit. Warum können die das, die Obwaldner? Ich bin überzeugt, dass die Obwaldner «das» können, weil genaugenommen Volk und Regierung, Kirche und Staat, ja, alle gemeinsam und am selben Strang ziehend, aus innigster Verbundenheit mit ihrem Einsiedler im Ranft spüren und darauf vertrauen, dass niemand diese differenzierte und radikale Auseinandersetzung zugleich mehr gutheisst denn er selbst.
Roland Gröbli
Information
Das Visionsgedenkspiel wird insgesamt 41 Mal aufgeführt. Es hat nur noch wenige Tickets im freien Verkauf: www.mehr-ranft.ch/projekte/visionsgedenkspiel
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