Walter Ludin

Wann gibt es bei uns Jugendunruhen?

Und: Alles ist ein «Ausländerproblem»Caritas-Direktor Hugog Fasel meinte kürzlich in einem Interview – noch vor den englischen Jugendunruhen:»Wenn Jugendliche heute keinen Zugang zum Arbeitsmarkt finden, dann sind die Konsequenzen ungefähr zehn Jahr später in aller Schärfe zu erkennen.» Aufwendungen für die Sozialpolitik seien deshalb nicht einfach Ausgaben, sondern Investitionen, die morgen ihre Früchte trügen. So gesehen sei es gewiss kostengünstiger, soziale Probleme und damit auch die Armut an der Wurzel zu bekämpfen, «statt immer nur die Folgen von Verhältnissen der Armut zu lindern».
—————————————————–Gilt wohl nicht nur für England…
Weiter sagte Fasel:Soziale Probleme zu Ausländerproblemen umgedeutetUm keine eigentliche Sozialpolitik machen zu müssen, habe insbesondere die Schweizerische Volkspartei (SVP) die sozialen Probleme zu «Ausländerproblemen» umgedeutet, meint Fasel. Er sieht darin eine der zentralen Veränderungen in der schweizerischen Politik der letzten Jahre. Fasel: «Wenn man sagt: Es gibt Armut in der Schweiz, heisst es: Da sind vermutlich viele Ausländer dabei. Das ist eine bewusste Verzerrung, und das ist die heutige Dramaturgie für die Sozialpolitik.» Die Arbeit im Parlament werde derzeit beherrscht durch eine «Umlenkung praktisch jeder Frage in eine Ausländerfrage», und so finde eine «Fütterung nationalistischer Emotionen» statt. Heute sei es für eine politische Partei objektiv einfacher, Wahlen zu gewinnen, wenn zu bestehenden Problemen einfach gesagt werde: «Die schaffen wir aus.»
————————————Mein Vorschlag: Wenn in den nächsten 10 Wochen von Ausländerproblemen die Rede ist, fragen wir uns, ob da nicht die billige SVP-Masche mitspielt.Und man kennt ja das Witzwort: «Schuld sind nur die Juden und die Velofahrer.» «Was haben die Velofahrer damit zu tun?» «Und was die Juden» (oder eben die Fremden)

15. August 2011 | 01:51
von Walter Ludin
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