Walter Ludin

Wann endlich vertrauen wir auf Gewaltfreiheit?

GewaltenEs wurde intensiv geballert und deftig gehasst: im TV-Film «Der Baader Meinhof Komplex» und bestimmt auch in der dargestellten Realität der Bundesrepublik während des RAF-Terrorismus in den 1970er-Jahren. Hätte damals jemand die Bergpredigt und ihr Ideal der Gewaltfreiheit zitiert, hätte er wie ein Ausserirdischer ausgesehen.Wir wissen, wie die Geschichte weiterging: Herausgekommen ist gerade das Gegenteil dessen, was die terroristischen Kämpfer beabsichtigt hatten: Statt mehr Freiheit gab es mehr Repression.Am Schluss der darauf folgenden Dekade: Im andern Teil Deutschlands vertrauten die Bürger, die einen menschlicheren Staat wollten, nicht auf Waffen. Sie handelten ganz bewusst gewaltfrei. Auch hier wissen wir, wie es weiterging. Die Gewaltfreien siegten, auch wenn das, was sie erreichten, in vielem nicht ihren Erwartungen entsprach.Wie geht es heute weiter? Weder im Westen noch im Osten unserer nördlichen Republik müssen die Bürger und Bürgerinnen entscheiden, ob sie gewaltfrei oder gewalttätig für Reformen kämpfen. Was durchaus nicht heisst, dass es im heutigen Deutschland oder auch in den andern europäischen Ländern keine Gewalt mehr gäbe!Es war eine glückliche Fügung, dass im Deutschen Fernsehen/ARD der Report München, der im Anschluss an die zweite Folge vom «Baader Meinhof Komplex» ausgestrahlt wurde, nicht nur die Hintergründe des RAF-Terrorismus zeigte. Der zweite Report-Beitrag widmete sich der Jugendgewalt, ausgehend von den zwei Jugendlichen, die im Münchner S-Bahnhof Solln einen Mann erschlagen hatten, der sich schützend vor vier junge Menschen gestellt hatte.Der Pastor warnte im Gedenkgottesdienst davor, Jugendgewalt nur mit hartem unbarmherzigem Durchgreifen zu beantworten. Fachleute versuchten die Ursachen der Jugendgewalt zu erklären. Auch sie kamen zum Ergebnis, dass blosses Zurückschlagen zu nichts führt.Die Menschenrechtskämpfer in der DDR haben bewiesen, dass die Alternative «Gewalt oder Stillhalten» falsch ist. Es gibt einen dritten, erfolgreichen Weg. Wann glauben die Gläubigen endlich daran? Bevor sie daran glauben müssen …?

25. November 2009 | 01:48
von Walter Ludin
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