Br. Paul Tobler

Wallfahrt auf die Alp

Ich war bereits wieder wallfahren. Aber gewissermassen «beruflich». Nämlich war ich auf einer Jugendwallfahrt nach Ziteil GR, dem höchstgelegenen Marienwallfahrtsort Europas, oberhalb von Tiefencastel/Savognin, auf 2434 m.ü.M. Die Wallfahrt wurde, wie jedes Jahr, organisiert von den Dominikanerinnen vom Kloster Cazis.
Ein wenig «beruflich» deshalb, weil ich kein völlig «normaler» junger Mensch mehr bin, sondern als Ordensperson etwas anders wirke und angesprochen werde, und es konnten gute Gespräche entstehen und war spannend. Früher besuchte ich als Teilnehmer gerne solche Jugendanlässe, und jetzt ist es für mich erfreulich, sie begleiten zu dürfen. Jugendarbeit hat in unserem Kloster Tradition, das ist naheliegend durch unsere Klosterschule, und für mich ein schöner «Auftrag».
Wir liefen abends los, in die Nacht hinein, stärkten uns mit einer guten Suppe in der gemütlichen Pilgerstube und hielten noch eine schöne nächtliche Gebetszeit in der Pilgerkirche. Die Pilgerstätte liegt majestätisch zwischen den Berggipfeln, mit herrlicher Aussicht, am Ort wo 1580 die Gottesmutter Maria zwei Kindern erschien. Es ist ein Wallfahrtsort den man erklimmen muss. Und doch ist es beeindruckend, welche Bedeutung er hat – denn die Anlage hat 170 Schlafplätze und war auch an unseren Wallfahrtstagen gut besucht. Nachts war ich froh um die wärmende Mütze, die ich zur Reserve dabei hatte, und um den warmen Schlafsack. Und das sehr leckere Frühstück übertraf die Erwartungen bei Weitem. Es war eine wohltuende und jugendlich-lebendige Reise in die «Nachbarschaft», an einen schönen und eindrücklichen Ort.
Denn Wallfahrt ist für uns natürlich auch zu Hause im Kloster ein Thema: Schon ganz früh ist die Existenz einer Marienkirche hier bezeugt. Marienverehrung hat lange Tradition, und vom Vertrauen der Leute zeugen die vielen «Ex Voto»-Tafeln als Dank für Gebetserhörungen oder das sehr gut genutzte Angebot, in der Marienkirche eine Kerze anzuzünden und zu verweilen. Für uns heisst das: spannende, auch kirchenferne Besucher, also eine Chance für die Glaubensverkündigung. Und wir pflegen die Marienverehrung, z.B. im täglichen «Salve Regina» oder in Maiandachten.

4. September 2013 | 17:14
von Br. Paul Tobler
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