Walter Ludin

Wallensteins Wünsche

Fels oder Schifflein?Vorbemerkung: Als demokratischer Schweizer erstarre ich nicht unbedingt in Ehrfurcht vor Herren und Damen mit einem «von» vor ihrem Namen. Als ich vor Jahren an die Fidelis-Feier nach Simaringen fuhr, hatte ich für den Vorschlag unseres deutschstämmigen Provinzvikars nur ein müdes Lächeln übrig, den dortigen Fürsten von Hohenzollern als «Durchlaucht» anzureden.Trotzdem freute ich mich immer, wenn ich an Konferenzen Ernst Waldstein, den langjährigen Präsidenten des österreichischen Laienrates antraf. Er ist ein Verwandter von General Waldstein – wie Schiller diesen im gleichnamigen Drama nannte.Ernst Waldstein, eine imposante Erscheinung, trat nun mit 87 Jahren von seinen (Ehren)Ämtern zurück. Aus seiner «Abschiedsbotschaft» zitierte ich hier bereits den auf Widerspruch stossenden Vergleich vom «Pendel». Hier zwei weitere Aussagen:
-»Das Bild vom unüberwindbaren Felsen Petri ist ihnen (den katholischen «Schleusenwärtern») sicherer als das vom auf den Wellen tanzenden Schifflein Petri unterwegs dorthin, wo die ‹Fische› sich aufhalten.»
-Die Kirche sei zwar keine Demokratie. Doch brauche es «eine Reihe von Formen demokratischer Meinungsbildung und Vorgangsweisen». Da kann man sich nur wünschen, dass ein anderer alt-bömischer Graf, der Kardinal-Erzbischof von Wien, auch etwas von solch demokratischem Gedankengut hält.

4. Dezember 2012 | 01:21
von Walter Ludin
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