Wahrlich Welt-Theater
Da bin ich nun innerlich bös zerrissen und stehe mit dürftiger Argumentation vor scharfen Kritikern von links und rechts.
Ich bin ein Kirchenliberaler und fände es wahrhaft peinlich, wenn wahr ist, dass kirchliche Rechtsaussenkreise Abt Martin so beeinflussen konnten, dass er darum nach einem neuen Regiekonzept mit mehr Hoffnungs- und weniger Zeitgeist ruft. Wenn die Inszenierung Hürlimann/Hesse dem Abt zunächst gefiel, warum gefiel sie ihm nach Eingang der Protestschreiben nicht mehr? Wenn es ihn persönlich noch nicht störte, dass sich da zwei Patres nahe kamen, hatte er wohl historische und psychologische Gründe dazu. Wenn es ihn dann aber störte, nachdem Ärger darüber aufkam, das liesse mich an ihm zweifeln.
Ich bin ein Kulturkonservativer und hasse modern-hässliche Inszenierungen von Stücken, die zum Weltkulturerbe gehören. Und Calderon gehört für mich definitiv dazu. Für einen Besuch einer Kusej-Inszenierung etwa müsste mir Herr Pereira schon vier Karten der selben Kategorie für edle Inszenierungen schenken. Vielleicht hätte ich auch die Hesse-Inszenierung aus ästhetischen Gründen schlecht goutiert? Darum bin ich mir gar nicht sicher – wenn wir die Argumentationskette von Abt Martin einmal einfach ausser acht lassen – ob ein Neuansatz nicht auch hoffen lässt.
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