Konzilsblogteam

Während des Konzils auf dem Weg zum Konzil

Zu den wichtigen Konzilsteilnehmern aus der Schweiz gehört der Freiburger Theologe Charles Journet (1891-1975). V.a. mit der von ihm 1926 gegründeten Zeitschrift Nova et Vetera und seiner Ekklesiologie L’Église du Verbe incarné prägte er die theologische Diskussion der Jahre um das Konzil entscheidend mit. Seine Freundschaft mit Jacques Maritain und Giovanni Battista Montini, dem späteren Paul VI., war theologie- und kirchengeschichtlich ebenfalls von grosser Bedeutung.
Der Weg zum Konzil war für Journet allerdings mit einigen Schwierigkeiten verbunden. Zwar wurde er 1960 von Papst Johannes XXIII. zum Mitglied der vorbereitenden Theologischen Kommission ernannt und hielt 1961 auf einer Sitzung der Konzilskommission De Ecclesia um P. Rosaire-Marie Gagnebet OP eine vielbeachtete Rede über das Verhältnis von Kirche und Staat. Allerdings musste er aufgrund seiner Schwerhörigkeit seine Mitarbeit an Arbeitstreffen dieser Art bald einstellen. Ab dem Herbst 1964 musste er auch auf eine liebgewonnene Gewohnheit verzichten: die sonntägliche Predigt in der Kirche Sacré-Coeur in seiner Heimatstadt Genf.
Im Hintergrund stehen u.a. auch veränderte pastorale Konzeptionen, die ihrerseits auf gesellschaftliche Veränderungen reagierten. Journets Biograph Guy Boissard schreibt dazu: «Die 11-Uhr-Messe wurde immer mehr zur Messe derer, die sonntags gerne ausschlafen, und für die die Predigten eines kleinen Abbé, mag er auch ein grosser Spiritueller sein, keine Priorität darstellten. Nun aber dauerten diese Homilien oft um Einiges länger als gewöhnliche Predigten» (Boissard 498). Journets Theologie blieb dennoch für zahlreiche Zeitgenossen eine wichtige geistliche Quelle. Ehrendoktorate der Universität Freiburg (1961) und des Angelicums (1965), die gewissermassen die Zeit des Konzils einrahmen, zeugen davon.
Wenn Journet somit also im Sommer und Herbst 1964 noch «auf dem Weg zum Konzil» (Boissard 482) war, öffnete ihm Paul VI. Anfang 1965 mit der Kardinalsernennung dessen Pforten weit. Davon wird zu gegebenem Zeitpunkt zu berichten sein.
(mq; Zitate: Guy Boissard, Charles Journet [1891-1975]. Paris: Salvator 2008; s. auch Jacques Rime, Charles Journet, biographie. In: Marta Rossignotti Jaeggi, Guy Boissard [Hg.], Charles Journet. Un témoin du XXe siècle. Paris: Parole et Silence, 2003, 15-31)
 

14. August 2014 | 00:01
von Konzilsblogteam
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