Walter Ludin

Vorurteile über «Ausländer» usw....

«Je tiefer der Ausländeranteil in einer Gemeinde ist, desto höher ist die Zustimmung zur Minarett-Initiative. Das bestätigt erneut: Je mehr Ausländer man persönlich trifft, desto weniger Vorurteile hat man ihnen gegenüber.» Dies betonte derSozialpsychologe Bertolt Meyer von der Universität Zürich in einem Interview über Vorurteile (wissenschaftlich «Stereotypen»). Da gerade heutzutage sehr stark mit Vorurteilen operiert wird, lohnt sich, einige Abschnitte aus dem Gespräch mit der NZZ zu lesen:
«Je besser man eine Person kennenlernt, desto differenzierter wird das Bild, das man sich von ihr macht. Das ist wissenschaftlich bewiesen. Kontakt ist also der beste Weg, um Klischeevorstellungen abzulegen.»
Was bedeutet es für eine Gesellschaft, wenn Stereotype die öffentliche Diskussion bestimmen?
Sehr anschaulich ist das zurzeit in Russland. Dort wurde kürzlich ein Gesetz verabschiedet, das den Bürgern verbietet, sich in Anwesenheit von Minderjährigen positiv über Homosexualität zu äussern – mit der absurden Argumentation, Homosexualität sei schädlich für die Psyche und Homosexuelle eine Bedrohung für Kinder. Durch das Gesetz ist das unsympathisch-fähige Stereotyp zur gesellschaftlichen Norm geworden – mit verheerenden Folgen. In den letzten Monaten ist die Zahl der gewalttätigen Übergriffe auf Schwule in Russland deutlich angestiegen.
Es gibt auch Politiker, die die Personenfreizügigkeit befürworten.
Da kann man derzeit eine interessante Rhetorik beobachten. Es ist in letzter Zeit oft die Rede von der «bulgarischen Krankenschwester, die unsere älteren Menschen pflegen wird». Ob das nun Absicht ist oder nicht: Es hat den Effekt, dass diese prototypische Person nicht mehr als «unsympathisch-unfähig» wahrgenommen wird, sondern neu als «sympathisch-fähig». Sie gilt nicht länger als nutzlos und fremd, sondern neu als warmherzige Person, die eine wertvolle Hilfe für uns und unsere (sympathisch-unfähigen) Angehörigen sein wird.
(…)
Es ist schwierig, seine eigenen Stereotype zu revidieren. Oft werden sie unbewusst aktiviert. Sätze, die man oft hört, wie beispielsweise «Ausländer sind kriminell», gehen leichter in den Kopf. Dadurch werden sie als zutreffende Information abgespeichert. Was man aber tun kann: Man kann das Verhalten, das sich aus einem Stereotyp ableitet, kontrollieren. Und zwar, indem man einem Impuls, den man vielleicht hat, bewusst nicht nachgibt.
 

20. Februar 2014 | 01:42
von Walter Ludin
Lesezeit : ca. 1  Min.
Teilen Sie diesen Artikel!