Von Jungfrauenweihe bis Kirchenlehrerin: Die Konzilserwartungen Marianna Schraders OSB
Das Konzil hat auch Sr. Marianna Schrader OSB (1882-1970), Benediktinerin in Eibingen und Hildegardforscherin, bewegt. Von 1961 an hat sie, fast schon achtzigjährig, ihre Reformvorschläge dem Erzabt der Beuroner Kongregation vorgetragen. Später zählten auch verschiedene Bischöfe zu ihren Korrespondenzpartnern, darunter der Kölner Weihbischof Augustinus Frotz, dessen Bischofsweihe sich heute zum fünfzigsten Mal jährt. In ihren Briefen plädierte Marianna Schrader zunächst dafür, die Jungfrauenweihe und die Weihe von Diakonissinnen wieder in das neu zu erarbeitende Kirchenrecht aufzunehmen.«Die Reformbestrebungen des Konzils, die wir eifrigst verfolgen», haben nach ihrem Zeugnis auf sie als «einfache Nonne abgefärbt». In «heiliger Freiheit» nennt sie später mit Gitter und Klausur weitere Reformanliegen: Benedikt habe «kein Gitter vorgeschrieben, ebenso wenig strenge Klausur». Horizont all ihrer Überlegungen ist «die Frage, ob wir Benediktinerinnen der Beuroner Kongregation bei diesem Aufbruch mitgehen, ob wir das Überlebte des Mittelalters abstreifen, aber ohne von der Verwirklichung des monastischen Ideals abzuweichen».Eine Begleiterscheinung der Konzilszeit waren neue Allianzen zwischen Ordensfrauen und Laienkatholikinnen – und Sr. Marianna fand in Dr. Gertrud Ehrle vom Katholischen Deutschen Frauenbund eine Verbündete in der Diakoninnenfrage: «Es war mir schon als Laienauditorin in Rom klar, dass zu diesem Thema eine besondere nachkonziliare Arbeit in Betracht kommt», schrieb Ehrle im April 1966 an Sr. Marianna und publizierte in der Verbandszeitschrift Christliche Frau deren Aufsatz «Die Diakonissin – Ihre Weihe, ihr Dienst».Als schliesslich 1967 publik wurde, dass Katharina von Siena und Teresa von Avila zu Kirchenlehrerinnen erhoben werden sollen, sah Marianna Schrader auch Hildegard von Bingen an der Seite dieser heiligen Frauen und richtete an den Limburger Bischof Wilhelm Kempf die «kühne Anfrage, ob Sie dieser Angelegenheit Ihre Aufmerksamkeit zuwenden würden» (25. Oktober 1967). Am heutigen 7. Oktober 2012 geht dieser Wunsch Marianna Schraders in Erfüllung: Hildegard wird zur Kirchenlehrerin erhoben.(Regina Heyder; Quellen: Nachlass Marianna Schrader OSB, Archiv Abtei St. Hildegard Eibingen)
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