Von den anderen lernen
Trotz Verbotes wird in der Konzilsaula immer wieder applaudiert. Weihbischof Leven etwa vor zwei Tagen erntete Applaus für seine pointierte Rede. Am 28.11.1963 erhält der indische Bischof Eugène D’Souza Applaus, weil er sich angesichts der langen Rednerliste auf zwei Sätze beschränkt. Den vorbereiteten Text gibt er schriftlich ab – eine sehr lesenswerte Wortmeldung.
Sie beginnt mit der Kindheitserinnerung an eine Formel, die die katholischen Schüler gesungen hätten: «Catholics, catholics, ring the bell; protestants, protestants, go to hell». Ein solcher Hochmut sei leider kein Monopol der Missionsgebiete gewesen. Darum begrüsse er, dass das vorliegende Ökumeneschema zur Bekehrung der Herzen und zur Demut aufrufe. Eine solche Demut aber müsse auch einschliessen, was er eine intellektuelle Demut nennen wolle.
In der Konzilsaula heisse es oft, man müsse den Nichtkatholiken die wahre und vollständige kirchliche Lehre darbieten. Damit beanspruchen die Katholiken, die ganze Wahrheit zu besitzen. Zwar sei es richtig, dass die katholische Kirche den Glauben unversehrt bewahrt habe. Doch es sei zu fragen, ob sie immer die richtigen Verhältnisbestimmungen gewählt, alles hinreichend beleuchtet und die Akzente immer angemessen gesetzt habe. Objektiv betrachtet seien diese Fragen negativ zu beantworten.
Die Gründe dafür sucht D’Souza auf psychologischer Ebene und in einer ungesunden Polemik. In den Kontroversen seien den Thesen jeweils Antithesen entgegen gestellt worden, die ihrerseits dann aber überspannt und mit Einseitigkeiten behaftet seien.
Eben deswegen bedürfe es der Demut, die auch bereit ist, vom anderen zu lernen. Gelernt habe man schon z.B. von der protestantischen Bibelbewegung und von der orthodoxen Liturgie. Im Lernen von den anderen «werden wir Traditionen aufgeben, die lediglich einer bestimmten theologischen Schule oder einer nationalen Eigenart oder einem religiösen Orden eigen sind und die wir allenthalben mit der Tradition [im Lateinischen gross zu schreiben] verwechselt haben. Und gewisse periphere und gefühlsselige ‹Devotiönchen›, die bis jetzt in der Kirche florieren, werden dem Wesentlichen weichen müssen. So wird der Ökumenismus am doktrinalen Aggiornamento der Kirche teilhaben» (AS 2/6,197).
(emf)
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