Konzilsblogteam

Vom Leiden berührt

16-jährig eilt Johann Baptist Metz zurück aus bombardierten Dörfern und trifft auf seine getöteten Kameraden. Der «eine lautlose Schrei» grundiert sein theologisches Werk. Später steht ihm der Mensch in der «nackten Armut seines Wesens» vor Augen. Die Schrift «Armut im Geiste» (1962) hebt an mit dem Satz: «Mensch zu werden – das ist mehr als eine Frage der Empfängnis und Geburt. Es ist Auftrag und Sendung, ein Imperativ, eine Entscheidung.» In allem, was die menschliche Armseligkeit ausmache, «tastet Gott selbst sich an uns heran».
 
Mitarbeit an der «neuen Welt»
Im Dialog mit dem Marxisten Roger Garaudy betont Metz 1966, dass die frühen Gemeinden in Jesus nicht den «Lehrer einer Weltanschauung (…), sondern einen Revolutionär sahen, «der handelnd-leidend in Konflikt mit der bestehenden Welt steht und der deshalb auch keine Bewunderer, sondern Nachfolger braucht – im Dienste seiner weltverwandelnden Sendung». Das Konzil spreche von der «Erneuerung der Welt», welche «in dieser Weltzeit in gewisser Weise wirklich vorausgenommen» (LG 48) wird. Da müsse sich der Christ «als ‹Mitarbeiter› an dieser ‹neuen Welt› des universalen Friedens und der Gerechtigkeit verstehen». Die christliche Hoffnung sei darum «eine Hoffnung, an der wir ‹nicht nur etwas zu trinken, sondern auch etwas zu kochen haben›» (lt. E. Bloch). Die Kirche habe sich nun «ausdrücklich als ‹Kirche der Armen und Bedrängten›» bezeichnet und das Kreuz Jesu stehe «jenseits der Schwelle des behüteten Privaten oder des abgeschirmten Religiösen (…) ‹draussen› (…) im profanum der Welt, ihr zum Ärgernis, zur Torheit und – zur Verheissung» (lt. Hebr). Der Glaube müsse sich «auf die Öffentlichkeit, die Sozialität, die konkrete Geschichte der Welt beziehen». Im Verlauf der Konzilsjahre entwickelt Metz seine «Theologie der Welt». Das Wort in die Gesellschaft sollte im Stil ändern: «nicht Überredung, sondern Überzeugung, nicht Anmutung, sondern Angebot – damit immer auch Information, nicht Gemütsdialog, sondern klarer Streit um die Wahrheit».
Heute feiert Johann Baptist Metz seinen 85. Geburtstag.
(Stephan Schmid-Keiser)

5. August 2013 | 00:54
von Konzilsblogteam
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