Heinz Angehrn

Voll daneben

Wieder einmal hat ein/e Regisseur/in voll daneben gegriffen. Im Bemühen, die Spinnereien an den grossen Häusern (Kusej, Konwitschny, Gürbaca) nachzuahmen, vergeben auch Provinzhäuser leider einen Teil der Inszenierungen an Leute ohne Stilgefühl.
So eben in meiner Heimatstadt: Herr Tobias Kratzer, immerhin bei August Everding ausgebildet, setzte Gaetano Donizettis Schaueroper «Lucrezia Borgia» voll in den Sand und in die Sinnlosigkeit. Die Handlung dieser Oper, in der die üble Papsttochter Lucrezia ihre politischen Rivalen reihenweise mittels Gift ausschaltet und zu spät bemerkt, dass sie ihren eigenen Sohn nicht per Gegengift (das ihr langsam ausgeht) zurückholen kann, übertrifft im Unsinn die Verdi-Handlungen bei weitem.
So etwas muss man/frau in der Schauerwelt der Renaissance belassen (mittels Bühnenbild, Kostümen und Personenführung). In der Neuzeit angelegt nimmt kein Mensch das ab. Herr Kratzer aber übersah dies in seinem wilden Eifer und setzte Cüpli, Martini und Kondome ein. Unfug totalis! Kein Rappen Lohn für so ein Tun!
PS: Wollen Sie/wollt Ihr das schön sehen? Bitte sehr: Auf DVD aus San Francisco zu haben mit Renée Fleming und Michael Fabiano. Wunderschön und etwas glaubwürdiger.

17. März 2015 | 10:12
von Heinz Angehrn
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