Vielfältige Skepsis gegenüber der Heiligsprechung von JP II.
Nicht nur kirchliche Reformgruppen wie die Tagsatzung (www.tagsatzung.ch) sind skeptisch gegenüber der Heiligsprechung von Johannes Paul II. Auch der Papabile Martini hatte seine Bedenken:
Der frühere Mailänder Erzbischof Kardinal Carlo Maria Martini (1927-2012) hatte sich bereits 2011 im «Corriere della Sera» reserviert gegenüber einer Heiligsprechung geäussert. Martini hatte zu Protokoll gegeben, Johannes Paul II. habe vor allem in seinen letzten Jahren die Ortskirchen zugunsten der neuen geistlichen Bewegungen vernachlässigt. Zudem kritisierte der Kardinal nach Darstellung der Zeitung, durch die vielen Reisen des Papstes sei die Rolle der Ortskirchen und der Ortsbischöfe in den Hintergrund gedrängt worden. In der öffentlichen Wahrnehmung sei Johannes Paul II. zum «Bischof der Welt» geworden. Der Gesundheitszustand von Johannes Paul II. habe einen zeitigeren Rücktritt nahegelegt, gab der «Corriere» Martini wieder. ——————————-
Schade, dass aus dem Martini Rosso (»rosso/rot» steht für den Kardinal) nicht Martini Biancho (»biancho/weiss; Farbe des Papstgewandes) geworden ist.
Und hier noch ein Zeugnis, das zeigt, wie der Papst, der immer von der Barmherzigkeit gesprochen und sogar den Barmherzigkeits-Sonntag erfunden hat, nicht sehr einfühlsam und barmherzig war:
Zu den Gesprächspartnern von Gabriel Garcia Marquéz in Europa zählte neben Frankreichs Staatspräsident François Mitterrand auch Papst Johannes Paul II., Bei einer Audienz übergab Garcia Marquez dem Papst einen Brief über die Opfer, die während der argentinischen Militärdiktatur verschwunden waren: «Obwohl es eine erschütternde Lektüre war, verlor er keinen Moment lang sein heiteres Lächeln; schliesslich gab er mir den Brief wieder, als kehre er von einer Reise zurück, die er zur Genüge kannte, und sagte in fliessendem Französisch: ‘Das ist genau wie in Osteuropa.’»
Übrigens: In meiner Predigt zum Hohen Donnerstag erwähnte einen Roman von Gabo (wie er liebevoll genannt wurde): die «Chronik eines angekündigten Todes». Ich verglich die dort beschriebene Stimmung mit jener von Jerusalem in der Karwoche. Drei Stunden später las ich auf spiegel-online, dass Gabo an diesem Tag starb. Ich bin ihm dankbar für seine vielen spannenden Romane, von denen ich wohl alle gelesen habe.
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