Verständnisschwierigkeiten
«Wenn es so weiter geht, können wir zusammenpacken und nach Hause gehen», so soll Kardinal Richard James Cushing mitten in der zweiten Konzilssession ausgerufen haben. Es geht das Gerücht, er habe angeboten, die Anlage für eine Simultanübersetzung zu bezahlen. Tatsache ist, dass er während der zweiten Sitzungsperiode nach Boston heimreist und erst zur dritten Session wieder zurückkehren wird (vgl. Ry 206).
Dom Helder Camara schreibt schon am 13. Oktober 1963, es werde eine Simultanübersetzung in der Konzilsaula installiert. «Die Verpflichtung, Latein zu sprechen, wird aufrechterhalten. Aber jeder Bischof wird zwischen fünf lebendigen Sprachen wählen können, in der er das Gesprochene zu hören wünscht. Transistorapparate. Installation auf Kosten des Kardinal Cushing, von Boston» (CaLe 1,217). Auch andere haben davon gehört. Am Vortag notiert Yves Congar, dies werde ab dem 4. November 1963 für 800 Konzilsväter möglich werden.
Nicht nur die zweite Konzilssitzung, sondern das Konzil insgesamt wird vorübergehen, ohne dass eine Simultanübersetzung realisiert werden kann. Für viele Konzilsväter ist es kein Problem, Latein zu verstehen und sich lateinisch auszudrücken, doch für manche ist die Sprache eine hohe Schwelle für den Zugang zum Konzilsgeschehen. Dabei geht es nicht nur um das Latein als solches, sondern auch um die verschiedenen Weisen der Aussprache. Ein amerikanischer Konzilstheologe notiert, er habe bei der Ankündigung einer Rede den Namen des Bischofs nicht verstehen können, habe dann aber die Stimme wiedererkannt: «Es war unser eigener Bischof Primeau von Manchester, New Hampshire. Es war richtig erfrischend, ein gutes, raues amerikanisches Latein zu hören» (A 3,74 Anm. 248).
(emf)
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