Philip Steiner

Verkünder der Frohen Botschaft

Mit meiner Rückkehr von New Orleans nach St. Meinrad begann am Osterdienstag die letzte Etappe des Semesters. Die vergangenen Tage und jene, die noch folgen werden, sind ganz dem Predigen gewidmet. Mehrere Predigten müssen noch geschrieben und vor Publikum gehalten werden.
Die Zeit dafür könnte nicht passender sein, denn die Osterzeit bietet den idealen theologischen und liturgischen Rahmen dazu: Die frohe Nachricht, dass Jesus von den Toten auferstanden ist und lebt, ist der Kern jeder kirchlichen Verkündigung. Während der ganzen Osterzeit hören die Gottesdienstbesucher Abschnitte aus der Apostelgeschichte, welche von der Verbreitung und Vertiefung des christlichen Glaubens spricht. Dort werden die ersten Verkünder der Frohen Botschaft vorgestellt: die Apostel, Stephanus, Paulus und viele andere Männer und Frauen, die als Zeugen des auferstandenen Herrn gewirkt haben.
Es ist berührend, mich selber am Ende dieser langen Reihe von Zeugen und Verkündern zu sehen. Wenn ich am 31. August zusammen mit Fr. Mauritius zum Diakon geweiht werde, wird mir dieser Dienst der Verkündigung von der Kirche offiziell aufgetragen.
Auch wenn der Priester oder Diakon in der Predigt dem Volk Gottes gegenübersteht, bleibt er immer auch ein Hörender. Ich bin dankbar, dass mir mein Leben als Mönch im Kloster Einsiedeln den idealen Rahmen dazu bietet. Hören gehört sozusagen zum «Kerngeschäft» eines Mönches: im Gottesdienst, im Zusammenleben mit den Mitbrüdern und in den Begegnungen mit den vielen Besuchern unseres Klosters.
Auch wenn der Heilige Geist am Werk ist, bleibt für den Prediger einiges an Arbeit. Im Homiletik-Unterricht in St. Meinrad erlerne ich das Handwerk. Ein paar heisse Tipps gefällig?
Die «perfekte» Predigt legt den Schwerpunkt auf lediglich einen der zwei oder drei vorgelesenen biblischen Texte, sie hat einen klar formulierten Kerngedanken, sie besitzt eingängige Bilder und (wenn möglich) eine illustrierende Geschichte, sie spricht eine konkrete Zuhörerschaft an, ist lebensnah und sie dauert ziemlich genau sieben Minuten.
fr. Philipp

6. April 2013 | 15:29
von Philip Steiner
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