Unsere Vorfahren sind eingewandert.
«Ich bin ein Eidgenosse, nicht bloss ein Schweizer.» Es fällt mir auf, wie in letzter Zeit viele Landsleute voller Stolz oder auch nur im Scherz so gesprochen haben. Sie alle tun so, als ob ihre Vorfahren auf dem Rütli standen. Und sie vergessen, dass sehr viele von ihnen erst später eingewandert sind (eklatantes Beispiel die Blochers!!!, vor zwei Generationen aus Deutschland eingewandert); oder wie manche meiner Vorfahren im Luzerner Land nicht auf der Seite der Eidgenossen, sondern der Habsburger bei Sempach gekämpft haben.
Nun zurück zur Glosse vom Samstag, verfasst von Paul Hinder:»Die Migration wird nicht so bald aufhören», schreibt der Bischof von Arabien. Hier die Fortsetzung: «Das ist in verschiedener Hinsicht unangenehm. Erstens erinnert es uns an die Sünden der Vergangenheit (der Kolonialismus lässt grüssen und holt uns mit seinem Erbe wieder ein). Zweitens werden wir uns bewusst, dass viele Menschen das tun, was wir alle täten, wären wir in der gleichen Situation (nämlich der Not und Unsicherheit zu entfliehen an einen sicheren Ort).
Drittens merken wir nun plötzlich, dass andere Lust auf das bekommen, wofür wir jahrelang Propaganda gemacht haben (nämlich den westlichen Konsum nicht nur im Fernsehen, sondern in der Realität zu geniessen). Schliesslich erwachen wir aus der Somnolenz, in der wir glaubten, wir könnten in einer Welt der Ungerechtigkeiten und Kriege den eigenen Garten völlig vom Ascheregen eines ausgebrochenen Vulkans freihalten.
Vermutlich geht es abgesehen von oft etwas hilflosen Steuerungsmassnahmen nicht anders als die Menschen einmal anzunehmen als das, was sie sind, unsere Artgenossen und Verwandten; ihnen einen Unterstand zu geben wie man das bei einem Unwetter anständigerweise jedem gewährt; und schliesslich eine neue Heimat zu vermitteln, wenn Rückkehr oder Weiterreise ausgeschlossen sind. Wir Alemannen bekamen dies und sind deshalb immer noch in der Schweiz. Vielleicht müssen wir uns an den Gedanken gewöhnen, dass andere unsere Vorfahren nachahmen.
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