Stephan Sigg

Twitter-Lawine auf «Provokationen» von Abt Martin Werlen

Abt Martin Werlen lancierte gestern in der Sonntagspresse seine «Provokationen», mit denen er zu Reformen in der katholischen Kirche aufrufen will. Die Provokationen vom Abt des Klosters Einsiedeln, der mittlerweile schon seit mehreren Jahren ein aktiver Twitterer ist und mit seinem Twitterkanal @abtmartin bereits über 6000 Followers erreicht, blieben im Web 2.0 nicht unbemerkt: Bereits kurz nach der Veröffentlichung der Provokationen auf der Website der Zeitung «Der Sonntag» am Samstag, 10. November um 23.10 Uhr, folgten die ersten Reaktionen. Während des ganzen Sonntags wurden Abt Martin via Twitter in über 120 Tweets Glückwünsche und Ermutigungen zu seiner Initiative überbracht. Damit löste er eine «Glückwunschlawine» (eine Art «positiver Shitstorm») aus (eine Auswahl der Tweets haben wir auf kath.ch zusammengestellt: Tweet-Übersicht).
Natürlich: Abt Martin Werlen rennt mit seinen Forderungen nach Reformen offene Türen ein, da war mit positiven Reaktionen zu rechnen. Trotzdem: Dieses Beispiel zeigt eindrücklich, warum Social Media für die Kirche eine grosse Chance sind. Kirchliche Amtsträger, die sich auch via Web 2.0 auf den Dialog mit den Gläubigen (und Nicht-Gläubigen) einlassen, sind näher bei den Menschen. Wer sich die Zeit nimmt, mit Menschen über Social Media zu kommunizieren und den Dialog ernst nimmt, wird gehört, wenn er etwas zu sagen hat. Wer hingegen im Web 2.0 nicht präsent ist oder seine Social-Media-Kanäle nur zur PR nutzt, «findet nicht statt». Ausgehend von der Tatsache, dass die Reichweite der klassischen Medien (Print, Radio, Fernsehen …) immer mehr schrumpft, wird es in den kommenden Jahren wichtiger denn je, die Menschen über neue Kanäle zu erreichen, um als Kirche gehört zu werden und als Dialogpartnerin ernst genommen zu werden.
Als Vergleich: Bischof Vitus Huonder, Bistum Chur, der in den letzten Wochen gleich mehrere Dokumente und Botschaften (z.B. zur würdigen Feier der Messe) veröffentlichte, wurde bei Twitter in den letzten 7 Tagen 1 Mal (»RT @Schoggilaebe Vitus gibt schon wieder Gas…») erwähnt.

12. November 2012 | 09:45
von Stephan Sigg
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