Heinz Angehrn

Trilogie zum Abschied I

«Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert.» Ob diese Redewendung nun Wilhelm Busch oder Bertold Brecht zugeordnet werden kann, Spass macht ihre konkrete Anwendung alleweil. Nun gibt es Berufsgruppen, bei denen es sich mit ruiniertem Ruf nicht ungeniert weiterarbeiten und damit weiterleben lässt. Das mag bei den Herren Böhnermann und Erdogan kein Problem gewesen sein, aber viele Politiker/innen in demokratischen Rechtsstaaten etwa, die sich ver-twittern oder ver-selfen, denen ging und geht es an den Kragen. [Dass – so ein erstes PS – dies nicht für den mächtigsten Politiker der Jetztzeit zutrifft, ist ein erstaunliches Phänomen.]

Ein ruinierter Ruf steht auch einem Pfarrer nicht an. Anders als Politiker/innen untersteht er zudem den «Jesus-Kriterien», etwa denen der Glaubwürdigkeit und Wahrhaftigkeit, das macht die Sache noch viel delikater. Ich habe in meinen vielen Kirchen-Jahren, die sich nun im Schnelltempo neigen, zwar auch Kollegen erlebt, denen das anscheinend schnuppe war. Ich meine hier nicht die «armen Hunde», die psychisch angeschlagen durch ihr Berufsleben wankten und den Fallen, etwa denen des Alkohols oder der Pädophilie, nicht entrinnen konnten. Nein, ich meine vielmehr die lauten und aggressiven Potentaten, die in Feldherrenmanier über ihre Schäfchen herrschten und bei Bedarf auch herfuhren.

Ich tat mich sehr schwer mit diesem Anspruch. Ich hätte oft gerne mit Herrn Böhnermann und seinen Vorgängern in Satire und Kabarett getauscht. Ich habe mir immer wieder überlegt, wie viele Kompromisse ich eigentlich noch eingehen müsse, um dem «Ruinieren des Rufs» immer wieder entrinnen zu können. Nun ist es gottseidank an der Zeit, die Karten auf den Tisch zu legen. Drei Dinge, die ich jahrzehntelang ertragen musste, die mich aber in extremer Art und Weise nervten, hier nun am Ende der Reise:

a) Die schweizerische Duz-Kultur und das Kumpanentum.
b) Gruppenreisen und -Ausflüge.
c) Der Codex (CIC).

In meinen letzten beiden Blogs vor der Teilpensionierung darf ich endlich darlegen, wie schlimm dies für mich war. Ich erwarte Sie, liebe Lesende, hier darum am 1. und 8.August.

«meine» Kirche 1992-2018
25. Juli 2018 | 06:00
von Heinz Angehrn
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