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Tomáš Halík und das Zweite Vatikanische Konzil (III): Der Weg des Erwachens in der Tschechoslowakei

Tomáš Halík fasst in seiner Autobiographie die Entwicklung der Kirche in der Tschechoslowakei unter dem Begriff «Der Weg des Erwachens» zusammen. Oto Mádr lud Halík um 1983 ein, an einer Untergrundzeitschrift für christlich orientierte Psychologen und Psychiater mitzuwirken, später auch, ihn bei seinen eigenen Aktivitäten zu unterstützen, u.a. bei der Bildung eines «Denk-Trusts» für den alt gewordenen Kardinal Tomásek. Eine solche Denkfabrik war umso wichtiger, weil es keine Bischofskonferenz gab. Es ging darum, die Zerstreuung zu überwinden, die ganze Situation zu sondieren und eine Sicht zu finden, die in die Zukunft führten kann. Daraus entstanden einige Arbeitsgruppen, und Halík war der Verbindungsmann zu Kardinal Meisner. Es entstand auch eine gemischte Gruppe von Priestern und Laien. Ein wichtiges Thema war Jan Hus: Halík «vertrat die Ansicht, dass die katholische Kirche, wenn sie eine integrierende Rolle bei der Erneuerung der tschechischen Gesellschaft spielen soll, die engen klerikalen Horizonte überschreiten, sich an der Heilung der Wunden der Vergangenheit beteiligen und irgendwie den grossen Archetypen der tschechischen Nation gerecht werden müsse, zu denen ohne Zweifel Jan Hus gehört».
Oto Mádr stand Kardinal Tomásek am nächsten und hatte den grössten Verdienst um den ungewöhnlichen Zuwachs moralischer Autorität der Kirche in den achtziger Jahren. Obwohl er viel wichtige Aufbauarbeit für die Kirche geleistet hatte, wurde er nach der Wende u.a. von der Bischofskonferenz, aber auch der Theologischen Fakultät an der Prager Karls-Universität ignoriert. So erging es nicht wenigen Untergrundpriestern, u.a. auch verheirateten Priestern, die nach der Wende nicht mehr priesterlich tätig sein durften, obwohl diese in den Notzeiten der Kirchenverfolgung zum Priester geweiht worden waren.
(ufw; Tomáš Halík: All meine Wege sind DIR vertraut. Von der Untergrundkirche ins Labyrinth der Freiheit. Freiburg im Breisgau 2014, 180 ff., Zitat 184.)

5. März 2015 | 00:12
von Konzilsblogteam
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