Tomáš Halík und das Zweite Vatikanische Konzil (II)
Tomáš Halík begegnete uns schon im Konzilsblog vom 25. Februar 2015. Um den Prager Frühling lehrte er den während mehreren Jahren inhaftierten Priester Antonín Mandl kennen. Mandl kämpfte während des Zweiten Weltkriegs in der tschechoslowakischen Armee von London aus, der Krieg wurde für ihn nach Halík eine Schule des Lebens. Nach dem Krieg lernte Mandl in Frankreich die Nouvelle Théologie kennen und schätzen. In der Tschechoslowakei wurde er schnell zum Leiter der Katholischen Aktion und einer der engsten Mitarbeiter von Erzbischof Beran. In der Prager Salvatorkirche, in der später auch Halík tätig sein sollte, feierte er für Studierende Gottesdienste. Schnell kerkerten ihn die Kommunisten unter harten Bedingungen ein. Das Gefängnis fasste er nicht nur als entsetzliches Unrecht auf, sondern auch als Schule des Lebens.
«Als Pater Mandl aus dem Gefängnis zurückkehrte und vom Zweiten Vatikanischen Konzil erfuhr, war er glücklich; das Konzil begann die Kirche genau in der Weise zu erneuern, wie er und seine Freunde es im Gefängnis im Gebet durchmeditiert hatten. Kein austrokatholischer Pomp mehr, sondern Schlichtheit, keine Macht, sondern Dienst, nicht nur ein Rechtssystem, Ritual und Moral, sondern tiefe Spiritualität, lebendige Liturgie und Verkündigung als Inspiration für die menschliche Freiheit und Freude. Kein Bunker mehr, der die Belagerung durch Feinde abwehrt, sondern ein Vaterhaus und ein Ort des Dialogs. Das aber, was ihm am meisten am Herzen lag, war die Ökumene, die Annäherung und Einheit der Christen unterschiedlicher Denominationen.»
(ufw; Tomáš Halík: All meine Wege sind DIR vertraut. Von der Untergrundkirche ins Labyrinth der Freiheit. Freiburg im Breisgau 2014, 58–63, Zitat 64 f.)
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