Konzilsblogteam

Tomáš Halík und das Zweite Vatikanische Konzil (I)

Mit bedeutenden und sehr interessanten Veröffentlichungen wurde Tomáš Halík in den letzten Jahren im Bereich der römisch-katholischen Kirche in den deutschsprachigen Ländern bekannt. Der in Prag Aufgewachsene wurde 1978 heimlich zum Priester geweiht und war naher Mitarbeiter von Kardinal Tomášek und Václav Havel. Bis nach der Wende 1989 übte er einen zivilen Beruf aus und wirkte im Geheimen als Priester. 1990 bis 1993 war er Generalsekretär der Tschechischen Bischofskonferenz. Er ist Professor für Soziologie und Pfarrer der Akademischen Gemeinde Prag. 2010 erhielt er den Romano-Guardini-Preis, 2014 den Templeton-Preis.
Kurz vor dem Prager Frühling konnte 1967 Halík seine erste Reise in den Westen unternehmen, nach Holland, mitten in den nachkonziliären Turbulenzen. Das war für ihn ein Kulturschock, und er lernte neue Theologien und Theologen kennen. Zurück in Prag wurde ihm eine einfache Erklärung geboten: Das Konzil sei das Werk trojanischer Pferde in der Kirche, was Halík anfänglich sogar selbst glaubte. Halík weiter: «Erst später wurde mir klar, dass die Hauptbremse für ein reifes Annehmen und ein volles Verständnis des Konzils in unserem tschechischen Umfeld die verschwindend geringe Kenntnis jener Theologie war, die das Konzil inspiriert hat.» Die Beschlüsse des Konzils wurden von vielen Gemeindepfarrern als Anordnung von oben umgesetzt, in Unkenntnis der für das Konzil bedeutsamen Autoren. Die Mentalität, die Theologie und die Predigten der meisten Gemeindepfarrer seien tief vorkonziliär geblieben. «Auch wenn diese Priester der konziliaren Neuerungen meist zumindest zum Teil formal erfüllten, so haben sie eigentlich das Konzil nie recht verstanden und es innerlich nicht angenommen. Die Folgen spüren wir in unserer Kirche bis heute und leider nicht nur bei der älteren Priestergeneration. Ich wundere mich nicht einmal darüber, dass einige junge Priester und Seminaristen heute diese oberflächliche Gestalt der nachkonziliaren Kirche ablehnen. Leider reagieren sie des Öfteren statt mit einem gründlichen Studium der Tradition und der spirituellen Erneuerung mit krampfhaftem Hang zu einem oberflächlichen Traditionalismus., oft eine ungewollt tragikomische Karikatur des Katholizismus der Restaurationszeit.»
 
(ufw; Tomáš Halík: All meine Wege sind DIR vertraut. Von der Untergrundkirche ins Labyrinth der Freiheit. Freiburg im Breisgau 2014, 58–63, Zitate 61 f.)
 
 

25. Februar 2015 | 00:25
von Konzilsblogteam
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