Testfall Mission – Macht und Machtlosigkeit
Vor hundert Jahren beschrieb der Gründervater der katholischen Missionswissenschaft, Josef Schmidlin, Subjekt und Objekt der Mission. Das Subjekt der Mission sei im eigentlichen Sinn der Papst. Ihm sei der Missionsauftrag für die Kirche übergeben worden. Das Missionsobjekt waren in der Sicht Schmidlins diejenigen Gebiete, die noch keine Christianisierung erfahren hatten. Mission war also die territorial verstandene Ausbreitung des Glaubens und der Kirche.
Vor fünfzig Jahren quälte sich das Konzil damit, aus diesen Verzerrungen des Missionsverständnisses herauszufinden. Dabei ging es neben grundsätzlichen theologischen Fragen auch um Fragen der Macht – im Vatikan und weltweit. Die Frage der Mission wurde gewissermassen zum Echtheitstest der neuen Theologie und Ekklesiologie des Konzils. Sowohl das Verständnis der Kirche nach innen war betroffen als auch die Verhältnisbestimmung der Kirche nach aussen. Die folgenden Beiträge im Konzilsblog werden dazu einige Spuren verdeutlichen.
Nachdem ein Textentwurf des Missionsschemas, für das sich auch Papst Paul VI. eingesetzt hatte, bei den Konzilsvätern krachend durchgefallen war, begann ein mühsamer Prozess der Aufarbeitung. Dabei zeigte sich nicht zuletzt ein veritables Personalproblem der zuständigen Kommission. Die Kommission war «die Gefangene des ständig drohenden und tatsächlichen Einflusses der Kongregation De propaganda fide, die durch ihren Präsidenten Agagianian in der Kommission vertreten war. Dieser liess sie, wenn er auch oft abwesend war, bei jeder Gelegenheit das Gewicht seiner institutionellen Rolle spüren.» (A4, 676)
Die Schwierigkeit der Zusammenarbeit mit Agagianian zeigte sich nicht zuletzt darin, dass er selbst zwar kaum anwesend war, zugleich aber verhinderte, dass die Kommission einen Vizepräsidenten bestimmte. Er tat dies mit dem Hinweis, in Zukunft selbst vermehrt anwesend sein zu können und liess sich dann gleich entschuldigen und verliess die Sitzung vor der Zeit. «Videas ut habemus Praesidem.», «Da sieht man, dass wir einen Präsidenten haben» (A4, 677), sagte daraufhin ein Kommissionsmitglied ironisch.
(ab)
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