Teamausflug in den Orient
Jedes Jahr machen wir einen Teamausflug. Für den Zusammenhalt eines Teams sind solche Tage wichtig, vor allem, wenn – wie bei uns – fast alle Teilzeit und oft von daheim arbeiten und man sich manchmal wochenlang nicht sieht.
Die Organisation dieser Ausflüge gehört zu meinen Aufgaben. Dieses Jahr schlug ich vor, das Bibel+Orient Museum mit der Sonderausstellung «von den Schriften zur (Heiligen) Schrift» zu besuchen. Das Bibel+Orient Museum ist wahrscheinlich das kleinste, für mich aber das interessanteste und spannendste Museum der Schweiz und weil ich Florian Lippke kenne, der unglaublich viel weiss und enorm kompetent erzählen kann, hatte ich keine Bedenken, meine Kolleginnen und Kollegen dorthin mitzunehmen.
Die erste Stunde verbrachten wir im «Kabinett», ein kleines Zimmer, in dem die Dauerausstellung des Bibel+Orient Museums zu sehen ist. Schon dort erfuhren wir spannende Dinge über unsere Religion, woher sie kommt und wie sie entstanden ist. Wer glaubte, die Juden oder später die Christen und Muslime hätten Neues erfunden, sah sich getäuscht. Ganz vieles aus unserem Glauben findet sich bereits bei den alten Kulturen der Ägypter und anderen Völkern aus dieser Zeit wieder. Dass es Psalmen gibt, die ganz ähnlich auch von den Ägyptern gebetet wurden (z.B. Psalm 104), ist den meisten bekannt. Aber wer weiss schon, dass die Christen auch die Trinität den Ägyptern abgeschaut haben? Florian Lippke erklärte, dass schon damals ein Tempel, ein Haus für drei Götter gebaut wurde. In diesem Tempel betete man zu allen drei Göttern gleichzeitig, man konnte aber auch nur zu einem der drei beten. Das bekannteste Beispiel so einer Götter-Trinität: Isis, Osiris und Horus. Wenn man Florian Lippke so zuhörte, wurde klar, dass sich die Theologen der ersten Konzile stark an diesem Modell orientierten (Prüft alles, das Gute behaltet! 1Tess, 5,21).
[bild40777w250l]Im zweiten Teil der Führung widmeten wir uns der Sonderausstellung. Anhand verschiedener Ausstellungsstücke zeigte uns Florian Lippke, wie sich die Schrift entwickelt hat. Von tönernen Gefässen, die symbolische tönerne Figuren für Schafe, Ziegen, Kamele, etc. enthielten – um die Grösse einer Herde anzuzeigen – über erste Tafeln, auf denen diese Anzahl eingeritzt (gekeilt) wurde bis zu den ägyptischen Hieroglyphen sind in der Ausstellung die diversen Schritte zu sehen. Wir erfuhren auch, wie solche Keilschrifttafeln oder Hieroglyphen entziffert und gelesen werden. Ich finde, es hat erstaunlich viel Platz auf diesen kleinen Tafeln. Da ist z.B. eine, ca. 7 cm hoch, 5 cm breit, die regelt einen Hauskauf. Darauf ist die Grösse des Grundstücks erwähnt, was vorn und hinten ans Haus grenzt (Strasse bzw. Bach), wer die Nachbarn sind, etc. Wenn man bedenkt, wie hoch der Papierstapel ist, wenn heute ein Haus gekauft wird…
Interessant finde ich auch, dass praktisch sämtliche unserer heutigen Buchstaben ihren Urahn in einer Hieroglyphe haben. Ein sehr anschauliches Beispiel ist der Buchstabe A. Drehen Sie ihn mal auf den Kopf, die Ähnlichkeit mit einem Kuhkopf ist nicht zu leugnen!
[bild40778w250r]Nach diesen zwei spannenden Stunden gönnten wir uns ein feines Mittagessen. Danach besuchten wir den dritten Teil der Ausstellung, die «fliegende Tora-Rolle». Sie ist im Gutenberg Museum in Fribourg ausgestellt. 30 Meter lang ist sie und beinhaltet die 5 Bücher Mose. Auch hier erklärte uns Florian Lippke verschiedene Details, z.B. wie so eine Rolle entsteht, dass sie in der Synagoge innerhalb eines Jahres ganz vorgelesen wird, wie sie «gelayoutet» ist – die manchmal grossen Abstände zwischen den Worten sind nicht zufällig, sondern haben eine Bedeutung – und der extrem auffällige Text mitten drin ist das Mose-Lied nach der Durchquerung des Roten Meeres. Hier beginnt die Freiheit! Weitere wichtige Texte sind ebenfalls markiert und können in verschiedenen Bibeln auf Deutsch nachgelesen werden.
Für mich war es ein wunderbarer Tag und ich freue mich, dass ich meine Kolleginnen und Kollegen für mein Lieblingsmuseum begeistern konnte.
www.bible-orient-museum.ch
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