Sibylle Hardegger

Tautra, Norwegen

Wir sind in Tautra. Eine Insel im Trondheimerfjord. Hier teilen wir das Leben mit den Zisterzienserinnen im Marienkloster. Das erste Tautra Kloster war ein Mönchskloster und wurde 1207 eingeweiht. Die Mönche kamen aus dem ‘Mutterkloster’ in der Nähe von Bergen. Nur die Kirche war aus Basaltstein erbaut, alles andere aus Holz. So blieb leider vom alten Bau nicht mehr viel uebrig. Die Ruinen sind aber zu besichtigen und nur ein Spaziergang vom heutigen Frauenkloster entfernt. Das alte Kloster bot Platz für ca 30 Mönche. Sie lebten vom Ackerbau und waren fuer ca 170 Bauernhöfe als Seelsorger zuständig. 1531 während der Reformation wurde das Kloster geschlossen und die Gemeinschaft zerfliel. 1537 kam das Klostergebäude unter die Herrschaft der Krone. – Und jetzt mach ich mal einen großen Sprung in der Geschichte – 1974 wurde die Norwegerin Ina Andresen Zisterzienserin in Laval/ Frankreich. 1990 wurde sie nach Norwegen geschickt, um abzuklären, ob ein Interesse daran bestehe, dass sich wieder Zisterzienser(innen) in Norwegen ansiedeln. Während der Olavtage traf Sr. Ina den Bischof von Trondheim, der reges Interesse an einer Neugruendung eines Klosters zeigte. Tage später war bereits eine ‘support group’ gegruendet. Ein Jahr später – ebenfalls am Olavsfest – kontaktierte der Buergermeister von Frosta Sr. Ina und bot ihr an auf Tautra ein neues Kloster zu gruenden. 1993 wurde aus der Mississippi Abbey/Iowa Sr. Marjo nach Tautra gesandt, um Sr. Ina zu helfen. Ein Jahr später schien das ganze Vorhaben zu scheitern, da Sr. Ina schwer erkrankte und nach Frankreich zurueck kehren musste. Gleichzeitig vergrösserte sich die Gemeinschaft in Iowa zusehends, dass die Kommunität entweder ihr Kloster vergrößern oder die Gemeinschaft teilen musste. Bischöfe aus aller Welt baten die Oberin aus Iowa, ihnen Schwestern in ihre Länder zu schicken, um ein neues Kloster errichten zu können. Auch der Bischof von Trondheim bemuehte sich um die Schwestern. Er kaufte ein kleines Familienanwesen und ein Stueck Land in Tautra. 1999 entsandte die Oberin aus Iowa sieben Schwestern nach Tautra. In drei kleinen Häusern untergebracht, organisierten sie hier ihr Klosterleben. Alles war eng und provisorisch. Damit Geld in die Klosterkasse fliesst, begannen die Schwestern mit der Herstellung von Seife (mit Kräuterzusatz, ganz fein!). 2000 begannen die Schwestern ueber ein Klosterbau nachzudenken. 18 Monate arbeiteten sie zusammen mit einem Architekten, dann musste dieser sich aus gesundheitlichen Gruenden zurueckziehen. Das war ein herber Rueckschlag. Die Schwestern mussten einen neuen Architekten suchen und vor allem den Dialog wieder neu beginnen: wie ist der Tagesablauf im Kloster, was verlangt die Regel, warum sollen die verschiedenen Räume in einer besonderen Weise gebaut werden etc. Im März 2005 wurde mit dem Bau begonnen, im Juli 2006 konnte der Schluessel des neuen Klosters uebergeben werden. Obwohl 2006 die Kirche noch nicht fertig war, wurde die Liturgie gefeiert, in welcher die Schwestern das Versprechen der stabilitas loci von Iowa nach Tautra uebertrugen. Das Kloster war gegruendet. 2007 wurde die Kirche eingeweiht. Die einstigen Unterkuenfte der Schwestern dienen heute als Gästehäuser. Wir fuehlen uns hier schnell zu Hause, da alles lichtdurchflutet ist und eine grosse Stille am Fjord uns umgibt, die wir sehr schätzen.

26. Juli 2011 | 20:46
von Sibylle Hardegger
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