Walter Ludin

Synode 72: ein Pfingstereignis

Wenn wir begeistert von der Synode 72 erzählen, wirkt dies für viele wie die Erzählungen der Veteranen der «Aktivdienstgeneration». Im Edito der Zeitschrift «auftrag» – die leider eingeht – heisst es dazu: «Der ständige Verweis der Zeitzeugen auf das vergangene Grossereignis befremdet manchmal.»
Doch Redaktor Remo Wiegand fügt hinzu: «Erst nach und nach entdecke ich, was das Zeitlose der Synode 72 war: Ihr Pfingstgeist, Gläubige beteiligten sich zu Tausenden daran, Kirche zu gestalten. Angstfreier Diskurs, von oben nicht nur geduldet, sondern gefördert. Visionen kamen und gingen – geblieben ist die Erfahrung der Einheit jener Tage. Eins im Glauben an jenen, der jede spüren liess, wie wertvoll sie sei.»
Oder anders ausgedrückt: Das Selbstbewusstsein der Laien wuchs schlagartig … Ein Beispiel erlebte ich am «Pastoralforum», das einige Jahre nach der Synode diese auswerten sollte. Der damalige Präsident der Bischofskonferenz, Pierre Mamie, gab ein Statement ab, das eine ehemalige Synodalin, eine «einfache» Katechetin, nicht zufrieden stellte. Sie stellte dem Bischof Frage um Frage und liess ihn erst wieder an seinen Platz gehen, bis sie konkrete Antworten hatte; so wie ein Schüler erst wieder sitzen kann, wenn der Lehrer mit ihm zufrieden ist. So was wäre vor der Synode völlig undenkbar gewesen.
Noch eine statistische Angabe: Im Rahmen der «Aktion Plattform», welche die Synodenergebnisse aufarbeitete, trafen sich regelmässig 15 000 Gläubige in Gruppen.

14. Januar 2015 | 01:45
von Walter Ludin
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