Heinz Angehrn

Swiss army live – Teil VIII: Ein gemässigter Vorgesetzter

Nun hatten so ein Regiment und sein Stab ja einen obersten Chef, den Herrn Oberst. Der bestimmte aufgrund seiner Persönlichkeit, seinem Beruf, seinem Bildungsgrad, seinem Ethos etc. in etwa die Gesamt-Atmosphäre und damit auch meine Lebensqualität. In früheren Jahren vor meiner kurzen Zeit im 27 hatte der Name des Obersten auch einmal Christoph Blocher gelautet. Schade, denke ich heute, das hätte ich gerne einmal live erlebt, wie sich dieser Mensch unter Bedingungen, wo ja fast jeder machistische Spruch und jede politische Unkorrektheit erlaubt sind, geäussert hat.
Nun der erste Chef war ein Milizoffizier, im Beruf ein Architekt, mit Namen Schmidt. Zwar war er auch zugegen bei den geschilderten Offiziersorgien mit Gästen, doch mir Pfarrer gegenüber war er charmant und gesprächig. Er betrachtete mich als seinen kleinen intellektuellen Zeitvertreib mitten in den unzähligen Unsinnigkeiten, die in so einem Stab getrieben wurden (wie das Kontrollieren und Zählen von Militärlastwagenkolonnen tief nachts auf der Autobahn) und setzte mich dazu gerne an seine Seite.
Ansonsten war ich nicht sehr viel nütze in diesem Stab, mit dem ich in Kirchberg lange Tage und noch längere Nächte durchlebte. Da ich im selben Kirchberg noch meinen letzten WK als Soldat absolviert hatte, hielt ich allerdings die unglaubliche Diskrepanz zwischen diesen Welten kaum aus. Was da erlaubt war, hatte vorher genügt, einen kleinen Soldaten mit Arrest zu bestrafen.

25. September 2009 | 07:00
von Heinz Angehrn
Lesezeit : ca. 1  Min.
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