Swiss army live – Teil VI: Mutation in extremis
1976 zum Ende der Sklavenzeit in Losone mutierte ich vom Rekruten zum Soldaten und blieb dies während einiger weniger Wiederholungskurse bis Ende des Studiums. Mit der Diakonenweihe 1980 durfte ich austreten und hochbeglückt meine gesamte Bagage Vater Staat zurückgeben. Dann passierte etwas Dummes: Ich kam als junger Priester zu einem Pfarrer-Chef, der mir in hohen und tollen Tönen schilderte, wie wichtig und wertvoll der Dienst des Feldpredigers sei. Und ich liess mich herumbringen, leider auch mit einigen Rache-Gefühlen, die ich seit Losone gehegt hatte, dass ich nämlich gerne einmal als Mitglied der Gegenseite auftreten und so die Institution endgültig ab absurdum führen könnte, verbunden. Ich gestehe ein: Schon dieser Ansatz war nicht gut und er führte, wie wir sehen werden, auch nicht zu Gutem.
Aber die Verpuppungs- und Mutationszeit, die war eine der lustigsten, die ich in und mit der Armee erleben durfte. Gegen 40 evangelische Pfarrer bzw. katholische Priester rückten, bereits edel als Offiziere, eine Horde Hauptmänner, in der wunderschönen Maison Géneral Guisan in Montana-Village ein. Dort sollten wir lernen, wie sich Offiziere und Feldprediger benehmen. Wir waren aber alle Theologen und Pfarrer, auch die Fachlehrer waren es, und so entstand eine köstlich absurde Situation, die eigentlich der Verfilmung würdig wäre. Schönstes Wetter im schönsten Wallis; viel Fendant und Dole floss die Kehlen herunter, während wir die üblen Notrationen im Pfarrgarten zu Villars erhitzten; Toni Moser, schon früh des Morgens sehr heiter; Bundesrat Chevallaz mit dem Heli eingeflogen und wir hübsch arrangiert auf der Nase zu Nax; Kurt Koch mit einem Vortrag; Bischof Schweri mit seiner Edelkiste vorgerast; ein evangelischer Kollege erschoss fast einen Fachlehrer; im Stockalperpalast erhielt ich ob einer Schweizer Fahne Urkunde und Handschlag.
Das war friedlich, drei Wochen Traumurlaub!
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