Sibylle Hardegger

Studenreise IV

Nach einigen wunderbaren Tagen in Schweden sind wir Freitagnacht mit der Fähre nach Finnland gereist. Uns zog es vor allem dahin, weil am Sonntag die Diözesanwallfahrt nach Köyliö zum heiligen Henrik angesagt war. Der heilige Henrik hat zusammen mit dem heiligen Erik das Christentum nach Finnland gebracht. Der Legende nach wurde er enthauptet. Jährlich organisiert die Diözese eine Wallfahrt nach Köyliö, wo der heilige Henrik auf einer kleinen Insel, die nur über Boote zu erreichen ist, verehrt wird. Unsere Reisegruppe wollte daran ebenfalls teilnehmen. Die Fahrt von Helsinki aus dauerte gut 2 1/2 std. In Köyliö angekommen, suchten wir vergebens die Pilgerbusse, Wegweiser oder Menschenansammlungen. Die Ortsangabe, die ich für die Insel hatte, war nicht sehr genau – wie ich «im Gelände» dann merken musste. Also fragten wir uns durch. Der erste Radfahrer, den ich ansprach, hielt nicht einmal an….die zweite Person verstand weder schwedisch noch englisch….und die dritte Person sagte uns dann «ungefähr», wo es lang geht. Bei der erwähnten Kreuzung entdeckten wir allerdings immer noch nicht sehr viele Autos und keine Pilgerbusse. Wir wagten es trotzdem von dieser Kreuzung aus an das Ufer des Sees zu gehen – in der Hoffnung dort die richtige Stelle zum Übersetzen auf die Insel zu finden. Und wir hatten Glück. Zunächst über Felder, dann durch einen Wald führte uns der Weg. Am Ufer wartete bereits ein Boot, das uns zur Insel Kirkkokari übersetzte. Und dort trafen wir die Diözesanpilger vereint um einen steinernen Altar. Die Messe hatte eben begonnen. Als ich den Blick über die Menschengruppe schweifen liess, war mir klar, warum wir nicht massenweise Busse und Autos gesehen hatten. Versammelt war eine kleine internationale Gruppe von etwa 50 Leuten. In ganz Finnland, das ein Bistum ist, gibt es ja nicht mehr als 14`000 Katholiken.Die Messe – obwohl ich kaum ein Wort verstand – war sehr eindrücklich und familiär. Die Umgebung war einmalig. Nach der Rückfahrt ans Ufer wurde Kaffee, Kuchen und Sandwiches serviert. Dabei wurden wir von einigen Leuten angesprochen. Als wir ihnen erzählten, wir seinen im Norden unterwegs, um die Situation der katholischen Kirche näher kennen zu lernen, waren sie sehr erstaunt. Was denn daran so besonders sei, fragten sie. Meine Mitreisenden mussten sich die Antwort «alles» richtig gehend verkneifen. Wir waren einmal mehr beschenkt, in diesem familiären Kreis aufgenommen und zu sein und mitfeiern zu dürfen.
Mit dem Boot setzen wir über zur Insel des heiligen Henrik
Wald-Insel-Gottesdienst zu Ehren des heiligen Henrik
Die Pilger warten geduldig bis die Boote sie zurück ans Ufer bringen

19. Juni 2012 | 21:59
von Sibylle Hardegger
Lesezeit : ca. 2  Min.
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