Konzilsblogteam

Streit um die Vergebungsbitte

Karikierend nimmt am letzten Tag der Ökumenedebatte Weihbischof Thomas G. Muldoon von Sydney den Wunsch nach einer Vergebungsbitte auf, die viele Konzilsväter im Anschluss an Papst Paul VI. geäussert hatten. Einige Konzilsväter, so der Australier, pochten darauf, dass alle Bischöfe des ganzen Erdkreises auf die Knie fallen und öffentlich ihre Schuld und die Schuld ihrer Väter bekennen sollen, um demütig die Vergebung von allen Nichtkatholiken zu erbitten. Paul VI. jedoch habe lediglich erwogen, dass man von den Brüdern Vergebung erbitten könnte, falls ihnen von den Katholiken Ungerechtigkeit widerfahren wäre (vgl. AS 2/6,343). Muldoon fügt an, er empfehle jenen Konzilsvätern, welche die Last der Vergehen so stechend empfänden, zu einem guten Beichtvater zu gehen.
Noch in derselben Konzilssitzung erwidert der Abtpräses der englischen Benediktinerkongregation Christopher Basil Butler recht scharf, es könne sein, dass man in Australien noch nicht vernommen habe, wie es um die Christenheit Europas im 16. Jahrhundert bestellt war, doch hätten gelehrte Katholiken diese Sache studiert und es sei sehr notwendig, die Schuld der Katholiken nicht zu verbergen (vgl. AS 2/6,358f). Für Butler ist das aufrichtige Eingeständnis der eigenen Sünden ein wichtiges Moment der geistlichen Ökumene.
Henri de Lubac würdigt in seinem Tagebuch die sehr schöne Intervention von Butler, der über sein vorbereitetes Manuskript hinausgegangen sei, um «einigen Eseleien, die man kurz vorher hörte», zu antworten (Lu 2,54).
Mit einem abschliessenden Votum von Kardinal Augustin Bea, der eine Berücksichtigung der verschiedenen Voten verspricht und zudem die Vorbereitung eines Ökumenischen Direktorium ankündigt, enden die Sitzungen der zweiten Konzilsperiode.
(emf)

2. Dezember 2013 | 00:03
von Konzilsblogteam
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