Streit über die Lage in Eritrea
Das Buch «Eritrea – der zweite Blick» von Hans-Ulrich Stauffer (Rotpunktverlag 2017), über das in verschiedenen Medien bereits heftig diskutiert wurde, lässt einen ziemlich ratlos zurück. Es weckt die Pilatus-Frage «Was ist Wahrheit?»
Der Autor will Eritrea in einem bessern Licht zeigen als dies manche Journalisten tun. Nach einem recht langen geschichtlichen Teil beschreibt Stauffer die Errungenschaften der als diktatorisch geltenden Regierung. Er fasst in einem Interview zusammen: «Das Regime hat punkto Nahrungsmittelsicherheit, Gesundheitswesen und Erziehungswesen enorm viel geleistet. Weiter fällt auf, dass grosse Fortschritte in der Infrastruktur erzielt worden sind …»
Die Beschreibungen der hierzulande meist übersehenen Leistungen der Staatsführung sind durchaus begrüssenswert. Wenn Stauffer aber daraus folgert, Eritrea sei «ein fortschrittlicher Staat» tönt dies seltsam, wenn im Buch zu lesen ist, dass das Land keine gültige Verfassung und kein Parlament hat.
Immerhin gibt der Autor zu, «dass die faktische unlimitierte Dauer des Nationaldienstes ein Problem darstellt». Er relativiert diesen Vorwurf aber mit dem Hinweis, dass auch andere Länder einen langen Militärdienst kennen. Und auf den Einwand, es gäbe in Eritrea viele Menschenrechtsverletzungen, erinnert er nicht sehr überzeugend daran, dass es beispielsweise in China und Saudi-Arabien noch schlimmer sei …
Auch wenn es nicht direkt beabsichtigt ist: Das Buch erschwert die Situation der hiesigen eritreischen Flüchtlinge. Und es lenkt Wasser auf die Mühlen der Asylgegner.
Hans-Ulrich Stauffer: Eritrea – der zweite Blick. Rotpunktverlag 2017. ISBN/EAN978-3-85869-727-1. 239 S., ca. CHF 32.-,
Die UNO über Eritrea
WLu. Der Bericht des UNO-Menschenrechtsrates über Eritrea ist umstritten. Es wird ihm vorgeworfen, dass er sich vor allem auf Flüchtlinge abstützt. Es würde ja auch niemandem einfallen, die Lage in Kuba allein aufgrund von Aussagen der kubanischen Exil-Gemeinde in den USA zu beschreiben.
Doch: Worauf soll sich ein Bericht über Eritrea stützen, wenn das Land zum Beispiel weder dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz noch das UN-Flüchtlingshilfswerk noch sonst jemandem einen Blick in ein Gefängnis gewährt.
Ein Flüchtling, der in einem eritreischen Gefängnis monatelang gefoltert und verhört wurde, meint: «Es ist unmöglich für einen Ausländer, das wahre Eritrea zu sehen. Selbst für Regime-kritische Eritreer ist das sehr schwierig.»
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