Konzilsblogteam

Stellvertreterkonflikt

Dass sich die historisch-kritische Methode in der katholischen Exegese seit Beginn des 20. Jahrhunderts nach und nach durchsetzte, erfolgte keineswegs ohne Widerstände und in z.T. heftigen Debatten. Kurz vor dem Konzil etwa kam es diesbezüglich zu einem symbolträchtigen Konflikt zwischen dem dem Pontificium Institutum Biblicum und der Pontificia Universitas Lateranensis. In einer nicht zuletzt durch die Kritik am vorbereiteten Schema De fontibus Revelationis spannungsgeladenen Situation nahmen Zeitgenossen deshalb die Doktordisputation des Alttestamentlers Norbert Lohfink am 22. November 1962, «in Anwesenheit von 16 Kardinälen und mehreren Hunderten von Bischöfen» als eine «Demonstration des von Jesuiten geleiteten Päpstlichen Bibelinstituts in Rom gegen die kurialen Angriffe auf die moderne Bibelwissenschaft, die am Institut gepflegt wird» wahr (Manfred Plate: Weltereignis Konzil. Darstellung – Sinn – Ergebnis. Freiburg 1966, 37).Für die Öffnung des Päpstlichen Bibelinstituts für die modernen exegetischen Möglichkeiten steht übrigens der Name seines von 1930-1949 Rektors: Augustin Bea SJ. 1959 erhob ihn Johannes XXIII. zum Kardinal und betraute ihn 1960 mit der Leitung des neugegründeten Sekretariats zur Förderung der Einheit der Christen. Bereits während der Konzilsvorbereitungen und erst recht mit Beginn des Konzils wurde Bea eine Symbolfigur für Perspektivenöffnungen in zentralen Fragen der Offenbarung und Exegese, Kirche und Ökumene. So erklärt sich, dass Yves Congar, der ebenfalls bei der Disputation Lohfinks anwesend war, im Anschluss daran in sein Tagebuch schreibt: «Dies ist ein erneuter Sieg Kardinal Beas. Das Konzil ist das Konzil Kardinal Beas!» (Co 1,254).(Michael Quisinsky; vgl. K. Schelkens, A. Dupont: Katholische Exegese vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil [1960-1961]. In: Zeitschrift für Katholische Theologie 132 [2010], 1-24)

22. November 2012 | 00:41
von Konzilsblogteam
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