Walter Ludin

Spital 1

«Operieren»Schon oft erzählten mir Bekannte: «Nächste Woche gehe ich ins Spital. Ich muss operieren.» Ich denke jeweils, habe aber noch nie gewagt, es auszusprechen: «Ich bewundere dich, dass du so was kannst. Das könnte ich nie. Ich würde mich allenfalls lieber operieren LASSEN durch Chirurgen.»Im Ernst: Vor meiner Operation tröstete mich ein Mitbruder, ich würde ja nichts spüren, da ich schlafen werde.» Es gelang mir zum Glück bis zum letzten Augenblick vor dem nicht leichten Eingriff, mir die Sache nicht genau vorzustellen: Dass man mir den Bauch öffnen und etwas herausschneiden würde.Eine Hilfe war mir die Narkoseärztin, eine fesche junge Berlinerin. Nachdem sie eine Kanüle angebracht hatte, versprach sie mir, «ein Glas Wein, ganz guten Wein» hinein zu geben, um mich dusslig zu machen. Ich entgegnete ihr, 1 Glas würde bei mir nicht reichen. Dann tauschten wir unsere Begeisterung über das faszinierende Berlin aus, kam auf Aphorismen zu sprechen – und weg war ich.Es war vormittags gegen halb 11 Uhr. Erst morgens um halb 1 erwachte ich und hörte, man hätte wegen starken Blutungen den Bauch nochmals öffnen müssen. Ich wurde auf die Station gebracht und schlief weiter. Und ich merkte beim Wecken um 7 Uhr, dass ich noch richtig tickte, da mir auf Anhieb der Name der Pflegerin einfiel.Ich hatte mir alles viel schlimmer vorgestellt, auch die nächsten Tage. Darüber später …

1. Juni 2010 | 01:01
von Walter Ludin
Lesezeit : ca. 1  Min.
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