Kirche kommuniziert

So wehrt man sich im Haifischbecken von Instagram

Instagram hat seine Unschuld verloren. Der Facebook-Konzern führt die Social-Media-Plattform in die Kommerzialisierung. Viele Accounts von Instagram besitzen gekaufte Followers. Und es werden zunehmend auch Identitäten gehackt. Ein Erlebnisbericht aus dem Haifischbecken und einige Tipps von Charles Martig.

In Schulungen für Mitarbeitende in Kirchen und NPOs empfehle ich Instagram als Plattform für visuelle Kommunikation und Gemeinschaftsbildung. Ich zeige auf, welche Vorteile die Plattform hat und was sie im Bereich des Social-Media-Marketings leisten kann. Aus dieser Motivation heraus haben wir im Katholischen Medienzentrum zwei Instagram Accounts entwickelt.

Neue Kanäle auf Instagram aufgebaut

@underkath.ch zeigt, wie junge Menschen mit Lebensfragen umgehen. Rund um die Produktion von YouTube-Videos entsteht hier eine Community, die sich mit katholischer Lebensfreude und kritischem Blick auf die Gesellschaft beschäftigt.

@katholisch_schweiz ist ein Account, der sich um Sinn und Spiritualität dreht. Hier gibt es Impulse für den Alltag aus katholischer Perspektive. Die Fotos sollen inspirieren und auch zum Nachdenken anregen.

Doch für die kirchliche Kommunikation gibt es auch Tücken. Instagram kommt immer wieder in die negativen Schlagzeilen. Influencer geben offen zu, dass ein organisches Wachstum von Followern auf der Plattform nicht mehr möglich ist. Vielfach werden diese gekauft. Denn erst ab 10’000 Followern ist ein Influencer für die Werbebranche interessant. Zudem plant der Facebook-Konzern, die Technik von Instagram, Whatsapp und Facebook-Massenger zusammenzulegen. Damit werden auch viele Daten synchronisiert und für die Werbung nutzbar gemacht.

Identitätsklau auf Instagram

Sehr unangenehm wird es, wenn Hacker am Werk sind. Anfang Dezember 2018 wird mein privater Account @drcharlesmartig kopiert und mit einer Erweiterung versehen. Es handelt sich um Identitätsdiebstahl. Dasselbe Foto und mein Name wird verwendet. Der Fake-Account heisst @drcharlesmartig_. Die geringfügige Erweiterung mit einem «underline» am Schluss ist kaum sichtbar. Freunde machen mich auf Instagram, Twitter und Facebook darauf aufmerksam, dass es sich wohl um einen Hacker handelt. Sie werden angefragt, ihre Mobiltelefonnummer anzugeben. Sie melden den Account bei Instagram, doch nichts geschieht.

Fake-Profil Instagram

Ich bin etwas ratlos, wie mit diesem Identitätsdiebstahl umzugehen sei. Offensichtlich hat mich der Hacker auf Instagram blockiert. Ich kann nicht direkt auf den Fake-Account zugreifen. Ich muss davon ausgehen, dass Datendiebe hinter dem Vorgehen stecken. Es wird versucht, in meinem direkten Freundeskreis an vertrauliche Daten zu gelangen.

Der Identitätsklau ist raffiniert gemacht. Es scheinen Profis am Werk zu sein. Obwohl ich mit Sozialen Medien vertraut bin, brauche ich vier Wochen um eine Lösung zu finden. Es gibt offensichtlich ein Meldeformular, das zusammen mit einem Selfie als Beweis für die richtige Identität eingegeben werden muss.

Die Sperrung des Fake-Accounts kann nur von mir persönlich gemacht werden. Die Rückmeldungen von meinen Instagram-Freunden an den Betreiber der Plattform waren deshalb folgenlos. Darum hat es insgesamt vier Wochen gedauert, bis der imitierende Account gelöscht war.

Fazit für die Kommunikation auf Instagram

Instagram ist eine Plattform, die zum Haifischbecken geworden ist. Es gibt einen starken Wettbewerb und die Regeln der Kommerzialisierung setzen sich durch. Wo Erfolg und Geld vorhanden ist, tummeln sich auch Blender, Diebe und Hacker. Das ist die Schattenseite von Instagram. Deshalb empfehle ich:

  • Ein regelmässiges Monitoring ist wichtig, um sich vor Identitätsdiebstahl und Missbrauch zu schützen.
  • Bei Verdacht auf unlautere Praktiken, sofort eine Meldung im Hilfebereich von Instagram einreichen.
  • Den eigenen Account auf «Fake-Followers» prüfen und regelmässig «ausputzen», d.h. verdächtige Personen blockieren und als Spam melden.

Für NPOs und Kirchen gilt: Zuerst die Strategie festlegen und dann entscheiden, ob Instagram der richtige Kanal ist. Es gibt gute Chancen auf Instagram, aber auch Gefahren. Die Chancen gilt es zu nutzen und gleichzeitig auch die Sicherheit im Auge zu behalten.

Sicherheitstipps von Instagram:

https://www.facebook.com/help/instagram/377830165708421/?helpref=hc_fnav&bc[0]=Instagram-Hilfe&bc[1]=Datenschutz%20und%20Sicherheitsbereich

 

Instagram | pixaybay.com CC0
19. Februar 2019 | 15:36
von Kirche kommuniziert
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