So schwer lässt sich der Vatikan reformieren
Die römische Kurie lässt sich nur sehr schwer reformieren, meint der Österreicher Franz Xaver Brandmayr, Rektor der Anima in Rom. Er hofft jedoch, dass die Bischofskonferenzen aufgewertet werden. Auch ich sehe hier und in einer weiter gehenden Dezentralisierung den Ansatz einer Kirchenreform.
Aus einem Interview mit dem Wiener Kurier:
Franziskus wird nun die Kurie reformieren. Er wird hier sicher etwas machen. Aber so eine Reform ist eine schwierige Sache. Wie ändert man einen sehr eingesessenen Apparat? Man kann eine Revolution machen und die Leute auswechseln. Die Macht dazu hätte er, aber hat er dazu die Mittel? Man kann schon neue Leute hineinsetzen, aber in der Struktur braucht man doch erfahrene Leute, die sich auskennen. Dann sickern die alten immer wieder ein. Man braucht Systemerhalter, aber man kann sie nicht aus dem Nichts erschaffen. Und kann man einen Apparat ändern bei laufendem Betrieb? Das ist wie eine Operation am offenen Herzen. Franziskus hat hervorragende Leute von aussen geholt. Aber von ihnen kennt keiner die Kurie von innen. An der Kurie ist der Widerstand von jenen, die ohnehin weg gehören, gross. Eine andere Gefahr gibt es auch noch. Als guter Jesuit glaubt Franziskus, er schafft das auch alleine. Jesuiten sind Einzelkämpfer. Er braucht ein gutes Team in der Kurie. Er hat einen hervorragenden Kardinalstaatssekretär bestellt. Aber dieser steht auch alleine.
Werden nationale und kontinentale Bischofskonferenzen aufgewertet? Ich erwarte schon, dass es in diese Richtung geht. Das wäre vernünftig. Muss eine Kongregation in Rom in der Liturgie über alle Fragen entscheiden? Hier sollte man das Subsidiaritätsprinzip umsetzen. Das war immer eine Riesenfrage: Gilt das Subsidiaritätsprinzip, ein Grundprinzip der katholischen Soziallehre, innerhalb der Kirche? Das ist theoretisch immer wieder bestritten worden. Der Münchner Kardinal Marx hat seine Doktorarbeit darüber geschrieben, dass das Subsidiaritätsprinzip innerhalb der Kirche gilt. Er ist eines der Mitglieder der Kurienreformkommission. Franziskus schätzt Marx, vor allem auch deshalb, weil er so gut organisiert ist. Wenn wir das Subsidiaritätsprinzip in der Kirche umsetzen können, ist der Rest schon gewonnen. Mein Ansatz ist, dass man die Kurie nach dem Prinzip reformiert, was die Diözesen brauchen.
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