Heinz Angehrn

Seriosität sieht anders aus

Wie bekannt bin ich mit meinem Mandat bei der SKZ auch im «katholischen Journalismus» zuhause. Und auch dort haben wir in den letzten Monaten mit Sorge und Anspannung die Vorgänge rings um die Neubesetzung des Bischofssitzes in Chur beobachtet, sind wir doch als Organ der DOK der gesamten katholischen Kirche in der Deutschschweiz verpflichtet (vgl. Blog-Eintrag hier vom 28.11., «Schockstarre»). Unser Erfolg oder Misserfolg hängt davon ab, wie weit wir eine breitmöglichste Basis ansprechen und zur Sprache bringen.

Nun, nachdem der entscheidende Würfel gefallen ist und im Blick auf all das, was ich hier im Medium kath.ch gelesen habe und lese, muss ich meine grosse Verärgerung, ja man kann es Zorn nennen, an den Mann, konkreter an die Männer bringen. Es ist ein ethischer und theologischer Zorn, denn – geehrte Herren – Seriosität in der Institution Kirche sieht anders aus, als wie Ihr auftretet und wütet. Es wäre ja vielleicht preussischen Generälen zuzugestehen, dass sie von «feindlicher Übernahme» bzw. von «Verlierern und Siegern» fabulieren, aber nicht Theologen, die der jesuanischen Botschaft vom Kommen des Reiches Gottes verpflichtet sind.

Und so zitiere ich nun bewusst den Neuernannten:
«Es sind Spannungen, Spaltungen, Polarisierungen, die wir uns – Gott weiss es – wahrhaftig nicht leisten können und die uns daran hindern, mit vereinten Kräften diese Impfstoffe zu suchen, die wir uns alle wünschen. Ja, die Menschen brauchen Geschwisterlichkeit und Hoffnung, gerade heute.»

Entweder Seriosität, oder – tut mir leid für den Tonfall – : shut up!

Bildquellen

  • politically-3999925_1920: pixabay.com CCO
19. Februar 2021 | 10:30
von Heinz Angehrn
Lesezeit: ca. 1 Min.
Teilen Sie diesen Artikel!

3 Gedanken zu „Seriosität sieht anders aus

  • stadler.karl sagt:

    Was will man da machen, Herr Angehrn? Lästern und fluchen gegen Kontrahenten scheint zu den anthropologischen Universalien zu gehören. Es sind Neigungen und Laster, die uns doch alle auszeichnen. Bereits im Jakobusbrief ist nachzulesen: “Die Zunge kann kein Mensch zähmen, dieses ruhelose Übel, voll von tödlichem Gift. Mit ihr preisen wir den Herrn und Vater und mit ihr verfluchen wir die Menschen die als Abbild Gottes geschaffen sind.” (3, 8-9). Nur Hiob zeigte sich diszipliniert und einfühlsam: “Wenn ich am Unlück meines Feindes mich freute und triumphierte, dass Unheil ihn traf – habe ich doch meinem Mund zu sündigen verboten, sein Leben mit Fluch zu verwünschen” (31, 29-30). Und ausgerechnet dieser Hiob musste schwer unten durch. In solche biblische Logik vermag man sich nur schwer einzufühlen.

  • Sie sprechen mir aus dem Herzen, Herr Angehrn. Eine solch reisserische Art, ohne grosse Rücksicht auf Kollateralschäden, kann letztendlich keine guten Früchte hervorbringen.

Hinterlasse eine Antwort an stadler.karl Antwort abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst diese HTML-Tags und -Attribute verwenden:

<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.