Konzilsblogteam

Selbstkritik von Bischöfen

Bischöfe sprechen auf dem Konzil über sich selbst – und dies nicht unkritisch. So jedenfalls Erzbischof Denis Hurley von Durban/Südafrika am 9. Oktober 1963. Er beginnt mit der Kritik des Textes, der in 41 Zeilen über die Unfehlbarkeit spricht und in nur 9 Zeilen über das Amt der Verkündigung, das doch in Anbetracht der aufgewandten Zeit und Arbeit der bedeutendste Dienst in der Kirche sei.
Eine zweite Beobachtung schliesst sich an: Es sei das Amt des Bischofs zu lehren, zu heiligen und zu leiten. Bei genauem Hinsehen werde dieses Amt jedoch vor allem durch die Presbyter erfüllt. Der Bischof gebe dafür die allgemeineren Direktiven, während sein direkter Einfluss auf das Volk Gottes gering sei. «Die Presbyter sind Hände und Füsse, Augen, Ohren und Stimme des Bischofs» (AS 2/2,365). Eine der Hauptaufgaben des Bischofs sei deswegen die «pastoral leadership» für die Presbyter: Er müsse die Presbyter leiten, organisieren, inspirieren, sie aufrichten und ihnen Hilfe gewähren. Das müsse im Text auch erwähnt werden.
Dieser Kritik am Text folgt die Selbstkritik: Es scheint Erzbischof Hurley, als hätten die Bischöfe ihre Leitungsaufgabe in den vergangenen Jahrzehnten zu wenig wahrgenommen. Und: «Proh dolor [o Schmerz], der Impuls der katholischen Erneuerung ist häufiger nicht von uns ausgegangen, sondern von auserlesenen Kreisen der Presbyter und Laien» (AS 2/2,365f).
(emf)

9. Oktober 2013 | 00:03
von Konzilsblogteam
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