Jeannette Röthlisberger

Seeleninfarkt

«Ach, ich fühl mich auch manchmal so schwermütig, das geht vorbei! Kopf hoch!» – Diese und andere Kommentare hört man oft, wenn man über Depressionen spricht. Nein, meine Lieben, das ist es nicht.

Depressiv zu sein, übersteigt das Vorstellungsvermögen von vielen Zeitgenossen. Grundlos, so scheint es, zieht man sich zurück in sein Schneckenhaus, geht allem aus dem Weg, ist man tief traurig, von Panikattacken geplagt – mitten im Migros beim Einkaufen! – hält man es mit sich selber nicht mehr aus.

Dazu kommen Symptome, die andere an einem entdecken, die man selber nicht wahrnimmt. Vergesslichkeit, Desorientierung, Sprachstörungen. Wenn man dann merkt, dass die andern einen besser spüren als man selber, fühlt man sich zunehmend total neben der Spur.

Der guten Ratschläge gibt es viele. «Geh doch ein wenig raus, das tut dir gut!». «Meine Freundin hat eine Kollegin, deren Bruder hat auch so was, der macht XXXX». Ja ja. Lasst mich in Ruhe mit euren Rat-Schlägen.

Was hilft?

Von aussen hilft Verständnis, keine Ratschläge, zuhören. Vielleicht zusammen spazieren gehen. Nicht werten. Aber auch: Professionelle Hilfe. Unbedingt. Denn ohne geht es dann nicht mehr. Erst wenn man mit Fachleuten zusammen seine Situation analysiert und daran arbeitet, können die Symptome verschwinden. Ganz langsam.

5. September 2016 | 09:47
von Jeannette Röthlisberger
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