Jeannette Röthlisberger

Schritt für Schritt mit Hindernissen

Gebet am Donnerstag: Priorin Irene Gassmann in der Klosterkirche Fahr. Gebet am Donnerstag: Priorin Irene Gassmann in der Klosterkirche Fahr.

«Gott, du unser Vater und unsere Mutter, wir alle wissen, wie es um unsere Kirche steht. Unrecht geschah und geschieht, Macht wurde und wird missbraucht. ‹Bei euch aber soll es nicht so sein›, sagt Jesus. – Wir bitten dich um dein Erbarmen. […]»

So startet das «Gebet am Donnerstag», das im Kloster Fahr seinen Anfang nahm. Das Gebet geht, so titelte die Limmattalzeitung, um die Welt. Aber schon hagelt es wieder Kritik seitens von den Männern der Kirche. Kritik, die auf der Webseite der Gebetsaktion auch seinen Niederschlag gefunden hat:

«Nachhaltig irritiert uns allerdings, dass vor allem Männer das Gebet inhaltlich und formal kritisieren. Dazu folgende Gedanken von uns: Wir haben das Gebet bewusst so und nicht anders formuliert. Es entspricht dem, was wir aus unseren jeweiligen Erfahrungen und Positionen heraus vor Gott legen wollen und die Rückmeldungen von zahlreichen Gemeinschaften und Einzelpersonen zeigen uns, dass wir Resonanz auslösen – auch ohne liturgisch perfekte Sprache, auch ohne jedes Thema zu behandeln. Uns Frauen wurde in der katholischen Kirche lange genug gesagt, wie es richtig geht und genau das hört jetzt auf. Die alten Zeiten – so sagt es der Bischof der Diözese Essen, Franz-Josef Overbeck, deutlich – sind vorbei.»

Gewisse Männergemeinschaften lehnen das Gebet sogar ab, weil es «liturgisch nicht korrekt» sei (!).

Ich finde es unfassbar traurig und beschämend, dass eine solche Aktion gerade von denen ignoriert, zensiert und kritisiert wird, die jahrhundertelang die Frauen in der Kirche unterdrückt haben.

Es ist Zeit, sich die Hand zu reichen. Aber dazu braucht es ein offenes Herz. Ich werde auf jeden Fall mitbeten: Unzensiert, aus Betroffenheit, aus ganzem Herzen.

23. April 2019 | 09:54
von Jeannette Röthlisberger
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