Konzilsblogteam

Schmerzliche Prozesse in der Textarbeit

Im Verlauf der Sitzung vom 10. Mai 1965 wird der weitergearbeitete Text über die Religionsfreiheit vorgelegt und diskutiert. In den Tagebuchnotizen von Yves Congar finden sich interessante Bemerkungen über die Art, was eine solche Diskussion psychologisch für die mitarbeitenden Personen bedeutet.
Zu einer Wortmeldung von Bischof Emiel Jozef De Smedt bemerkt er (wie schon in früheren Einträgen), dieser könne nicht gut vertragen, wenn «sein» Text verändert werde. Man habe eine Textvorlage, die von ihm stammte, in seiner Abwesenheit verändert, und das allein schon rufe sein Missfallen hervor.
Nach einer Abstimmung, in der man einstimmig beschliesst, ein biblisches Vorwort wieder zu streichen und gleich mit der Erklärung zu beginnen, schreibt Congar: «So habe ich nahezu vorgeschlagen, mein eigenes Kind zu zerstören» (Co 2,377). Doch sieht er ein, dass der Sinn, den er selbst mit diesem heilsgeschichtlichen Textpassus verbunden hatte, anderen nicht einleuchtet. Zudem ist bekannt, dass Papst Paul VI. ohnehin für die Streichung dieses Textteils eintreten würde.
Gewiss stehen hinter diesen Vorgängen inhaltliche Anliegen, doch es wird deutlich, dass die an Texten mitarbeitenden Personen natürlich auch emotional an ihren Entwürfen hängen und es einige Gelassenheit und Demut brauchte, die Fortschreibung von Texten geschehen zu lassen.
(emf)

10. Mai 2015 | 00:04
von Konzilsblogteam
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