«Ruht ein wenig aus»
Einladung zum Time-out «Ruht ein wenig aus.» Dies ist eine Einladung, hin und wieder Distanz zu schaffen vom Getriebe der Welt. Es ist ebenso die Aufforderung, sich nicht allzu wichtig zu nehmen. Vielleicht kennen Sie die Geschichte vom Vogel, der auf dem Rücken liegt. Als er gefragt wurde, was er in dieser komischen Stelle täte, antwortete er: «Ich stütze den Himmel, damit er nicht einstürzt.» Ein Windhauch kaum, wehte ein Blatt vorbei, der Vogel erschrak und zog seine Beine ein. Da geschah das Überraschende: Der Himmel stürzte nicht ein. Diese Geschichte kann uns ermutigen und ermuntern zu fragen: Ist alles, was ich tue, so unheimlich wichtig? Solche Geschichten können befreiend wirken. So wie ich in einem Aphorismen geschrieben habe: Befreiungstheologie auf Deutsch: Lasst das Arbeitstier Mensch werden.Die Menschwerdung steht bekanntlich im Zentrum unseres christlichen Glaubens: «»¢ die Menschwerdung Gottes»«¢ aber auch die Menschwerdung des Menschen: Jesus kam auf die Welt, damit die Menschen das Leben haben und es in Fülle haben.Zu dieser Lebensfülle gehören nicht nur Pflichterfüllung und Arbeit, so wichtig sie auch sind. Die Philosophen der 68er-Bewegung sprachen vom eindimensionalen Menschen.Es ist ein Mensch, der auf seine Leistung reduziert wird. Und auf das, was er besitzt: «Hast du was, bist du was.»
«Ruht ein wenig aus.» Wagen wir es, nicht nur in dieser Ferienzeit, diese Einladung anzunehmen. «Wagen wir es.» Denn es kann ein Wagnis sein. In der Physik spricht man vom Horror vacui/Angst vor dem leeren Raum. Das kann auch für unsere Seele gelten. Wenn wir still und ruhig werden, besteht zuerst einmal die Gefahr, dass ein Chaos ausbricht; dass wir vorerst nicht zu uns selber finden: Valentin: «Ich habe mich besucht. Aber ich war nicht zuhause.» Da gibt es nichts anderes als: Warten wir, bis wir endlich nachhause/zu uns selber kommen. Dann kann es vorkommen, dass wir auch einem Überraschungsgast begegnen, nämlich Gott. Denn: Er lässt sich sicher im Mitmenschen finden; aber ebenso in der Stille, in der Ruhe, zu der Jesus uns im heutigen Evangelium einlädt.(Langnau i.E. Sa 18.15. So 9.30)
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