Br. Paul Tobler

Rom – Weltkirche in Fussdistanz

Und immer noch studiere ich in Rom, wo schon seit längerer Zeit der Frühling am Erwachen ist (der Römer Winter kann erstaunlich kalt sein…) und der liturgische Kalender auf die «österliche Busszeit», die Fastenzeit, umgestellt hat. Ich fahre fort mit einigen Römer Erlebnissen:

Etwas sehr eindrückliches sind hier sind für mich die vielen Spuren grosser, heiliger, Vorbilder: Bei unseren Nachbarn auf dem Aventin, wenige Schritte entfernt, am Hauptsitz des Dominikanerordens in Santa Sabina etwa hat es im Innern eine Klosterzelle, die zeitweise vom Heiligen Dominikus selbst bewohnt war und heute eine schmucke kleine Kapelle ist. Unweit gegenüber des Tibers, in San Francesco a Ripa, war dasselbe der Fall für Franziskus, der in diesem Hospiz Unterkunft fand bei seinen Besuchen in der Ewigen Stadt. Und wiederum nur wenig entfernt steht eine kleine, unscheinbare Kapelle, San Benedetto in Piscinula, ein Grundstück, das der Familie des Heiligen Benedikt gehörte, wo sich unser Ordensgründer während seiner Studienanfänge in Rom aufhielt, bevor er sich in die Einsamkeit der Hügel in der Nähe zurückzog und ein anderes Leben begann. Fast unnötig zu nennen sind die gigantischen und prächtig schön ausgestatteten Basiliken, die an den Gräbern der Apostel Petrus und Paulus stehen. Zu entdecken gibt es jeweils Details zuhauf, Bilder, Symbole und deren Bedeutung, die der Architekt und Künstler ausdrückte, etc. Man merkt, dass es sich nicht um eine gewöhnliche Stadt handelt.

Und in all dem drin wimmelt es fast von Ordensleuten jeglicher Art und aus aller Welt, das gehört zum Römer Stadtbild. Ein lustiges Phänomen ist, dass dies von Touristen nach meiner Erfahrung ganz gerne für Auskunft genutzt wird – einer, der so gekleidet ist, muss sich in dieser Stadt wohl einfach auskennen. Also dass man die Orientierung sozusagen in der DNA hat. Wenn es um den Petersdom geht, finde ich auch, dass man dies von mir erwarten darf. Ist es die Via XY, bin ich da doch schnell überfragt. Es kommt auch vor, dass man von Touristen hocherfreut als Fotosujet angeworben wird. Auf jeden Fall tut es dann auch wieder gut, mit dem gesungenen Choral der lateinischen Vesper in der schönen und schlichten Basilika von Sant’Anselmo wieder in klösterliche Ruhe einzutreten. In einer zusammengewürfelten Gemeinschaft, deren Mitglieder sich hier ausbilden, um später wieder in ihre Klostergemeinschaften in der ganzen Welt zurückzukehren.

Sant’Anselmo, Zentrum des Benediktinerordens, auf dem Aventin-Hügel von Rom. | © Br. Paul Tobler OSB
28. März 2017 | 18:30
von Br. Paul Tobler
Teilen Sie diesen Artikel!